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Buchcover Alan MacDonald: Rocco Randale - Vampirjagd mit Tomatensuppe

Rezension von Anja Rekeszus

Rocco ist ein echter Rabauke, der das Chaos magisch anzieht, egal ob in der Schule, zu Hause oder im Kaufhaus. In der ersten der drei Geschichten, „Vampirjagd mit Tomatensuppe“ wollen Rocco und seine Freunde dem Hausmeister Herrn Motzke auf die Schliche kommen, der mit großer Wahrscheinlichkeit ein Vampir sein muss...

BuchtitelRocco Randale: Vampirjagd mit Tomatensuppe
AutorAlan MacDonald (übersetzt von Monika Osberghaus)
GenreHumor & Comedy
Comedy
Lesealter8+
Umfang96 Seiten
Edition1
VerlagKlett Kinderbuch
ISBN978-3-95470-079-0
Preis8,95 €

Rocco ist ein echter Rabauke, der das Chaos magisch anzieht, egal ob in der Schule, zu Hause oder im Kaufhaus. In der ersten der drei Geschichten, „Vampirjagd mit Tomatensuppe“ wollen Rocco und seine Freunde dem Hausmeister Herrn Motzke auf die Schliche kommen, der mit großer Wahrscheinlichkeit ein Vampir sein muss. In der zweiten Episode, „Friseurbesuch mit Hindernissen“, weiß Rocco sich mit Tricks und Schläue um den überfälligen Friseurbesuch zu drücken. Schließlich verliert er in „Schuhkauf mit Make-up“ seine Mutter im Kaufhaus aus den Augen und wird unverhofft Teilnehmer einer Modenschau. 

Gerade, als er zur Tür hinauswollte, versperrte ihm eine dunkle Gestalt den Weg. Herr Motzkes Augen loderten wie Feuer.

„Was machst du da?“, schimpfte er. „Hast du meine Schlüssel gestohlen?“

„N-nein“, stotterte Rocco.

„Lügner! Gib sie her!“

„Es ist zwecklos“, sagte Rocco. „Wir wissen Bescheid! Wir haben Beweise!“

„Beweise?“

„Dass Sie ein Vampir sind!“, sagte Rocco.

„Bist du ein Idiot?“, brüllte Herr Motzke. „Schlüssel her – ich sag’s nicht noch mal.“

Er trat näher. Rocco sah seine verrückten, stechenden Augen und die tödlichen Eckzähne ganz nah.

Jetzt ist es so weit, dachte er. Jetzt werde ich ermordet und zu Tode gebissen! Ich muss hier raus! 

„Hiaaarrghh!“ Er stürzte sich auf den Vampir und brachte ihn zum Wanken. Herr Motzke wich zurück, trat in einen Farbeimer und fiel nach hinten. 

Rocco stürmte zur Schuppentür hinaus und schlug sie zu. 

KLICK! Er ließ das Vorhängeschloss zuschnappen und rannte um sein Leben. 

„He!“, schrie Herr Motzke. „Lass mich raus!“

Rocco Randale ist ein realistisches Kinderbuch, dessen Episoden sich um Alltagssituationen drehen, und so liegt die Triebkraft der Geschichten in der Figurenkonstellation, insbesondere in der Hauptfigur.

Rocco Randale ist ein liebenswerter Wildfang mit dem Kopf voll verrückter Ideen und jeder Menge Energie, über den es bereits einige Bücher gibt. In drei kurzweiligen Geschichten macht er auch im Band „Vampirjagd mit Tomatensuppe“ aus Alltagssituationen, die jeder Junge seines Alters kennt, kleine Abenteuer voller Witz und Action. Rocco dient jungen männlichen Lesern dabei als Identifikationsfigur: Er hat viel Phantasie und Spaß an Dreck und Streichen. Dass das Buch sich an Jungen richtet, wird an mehr als einer Stelle deutlich: Es wird dampfendes Blut getrunken und Müsli möglichst geräuschvoll verzehrt, Roccos Kleidung ist prinzipiell dreckig, Friseure sind doof und Make-up sowieso. Der Protagonist ist ein Rebell, handelt jedoch nie in böser Absicht.

Die Konflikte der Geschichten entzünden sich stets an Missverständnissen oder Kollisionen mit der erwachsenen Welt. Rocco enttarnt auf eine ihm eigene, gewitzte Art zielsicher die Widersprüchlichkeiten erwachsenen Verhaltens wie grundlose Unfreundlichkeit, Geiz oder fragwürdige Prioritätensetzungen. Obwohl die Autoritätspersonen bezeichnende Namen wie „Herr Motzke“ oder „Frau Schreck-Schraube“ tragen, nimmt MacDonald meist Abstand davon, sie zu platten Bösewichten zu stilisieren; Hausmeister und Lehrerin wollen bloß ihren Job machen, die Eltern wollen stets nur das Beste für ihr Kind. Nicht die Erwachsenen an sich wecken Roccos Widerstandsgeist, sondern ihr beizeiten widersprüchliches Verhalten. An dieser Stelle beweist der Autor so viel Selbstironie wie Beobachtungsgabe. Wieso sollte Rocco zum Billigfriseur gehen, wenn seine Eltern doch immer zum teuren gehen? Wieso sollte er sich in eine Modenschau mit schrecklicher Kleidung fügen? Und ist es nicht logisch, dass ein grimmiger, düsterer Hausmeister sich als Vampir verdächtig macht?

Obwohl die Sprache stets salopp gehalten ist, bleibt Fäkalhumor, zumindest im vorliegenden Band, nur rar gesät. Der Witz in „Rocco Randale“ speist sich meist aus Situationskomik. So wird Tomatensuppe fälschlicherweise für Blut gehalten oder Rocco für ein Model, woraus sich Situationen ergeben, aus denen Rocco mit Hilfe cleverer Tricks herausfinden muss. Dabei überschreitet er – selbstverständlich – auch mal die von der erwachsenen Welt gesetzten Grenzen.

Ganz im Geiste ihres Hauptcharakters kommen die „Rocco Randale“-Bücher frech und bunt daher. Eine einzelne Seite hat wenig Text, der zudem immer wieder von Illustrationen aufgebrochen wird. Die Kapitelüberschriften sind schräg gehalten und unterstützen den etwas „ungewaschenen“ Gesamteindruck der Bücher.

Eine pure Freude, auch für Erwachsene, sind die Illustrationen, die die Seiten schmücken. Gerade die Figurengestaltung trifft oftmals den Nagel auf den Kopf und lässt auf den Charakter der jeweiligen Figuren schließen. Kleine Details wie zum Beispiel das Kartenspiel auf dem Computerbildschirm des Vaters, der vermeintlich gerade an diesem „arbeitet“, runden die Zeichnungen ab. Nicht zu vergessen ist der positive Nebeneffekt der Illustrationen: Sie bieten dem lesenden Auge Abwechslung und verkürzen augenscheinlich den Text, was insbesondere für die Animation von Lesemuffeln zum Tragen kommen kann.

Alan MacDonald begeistert mit seinem frechen Protagonisten Rocco auch in dem Band „Vampirjagd mit Tomatensuppe“ kleine und große, geübte und ungeübte Leser. Einfach witzig! 

„Rocco Randale“ eignet sich ausgezeichnet für männliche Leseanfänger und Lesemuffel. Wer sich einmal für Rocco und seine Abenteuer begeistert hat, wird zudem motiviert sein, auch die weiteren Bände der Buchreihe zu lesen.