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Buchcover Steven Butler: Plong! Hier kommt Pong...

Rezension von Pia Schlotthauer

Neville wacht eines Nachts auf, weil er das Gefühl hat, dass ihm ein fremder und eklig riechender Finger in der Nase bohrt. Seine Eltern schlafen und auch sonst ist alles ganz normal. Aber als Neville nichts böse ahnend auf der Kloschüssel sitzt, wird er plötzlich von einer graugrünen Hand in die Tiefe gezogen. Auf einmal befindet er sich in der Unterwelt, der Welt der Trolle! Und all das nur wegen eines Missverständnisses...

BuchtitelPlong! Hier kommt Pong...
AutorSteven Butler (übersetzt von Nadine Mannchen)
GenreFantastischer Realismus
Lesealter8+
Umfang173 Seiten
Edition2014
Verlagueberreuter
ISBN978-3-7641-5021-1
Preis12,95 €

Neville wacht eines Nachts auf, weil er das Gefühl hat, dass ihm ein fremder und eklig riechender Finger in der Nase bohrt. Seine Eltern schlafen und auch sonst ist alles ganz normal. Aber als Neville nichts böse ahnend auf der Kloschüssel sitzt, wird er plötzlich von einer graugrünen Hand in die Tiefe gezogen. Auf einmal befindet er sich in der Unterwelt, der Welt der Trolle! Und all das nur wegen eines Missverständnisses: Der Trollpoopa Mulch wollte seinen Trollsohn Pong aus der Menschenwelt zurückholen und hat dabei leider keinen Troll, sondern einen Jungen erwischt. Da sich die Tore – oder besser gesagt die Abwasserrohre – zur Menschenwelt nur hin und wieder öffnen, muss Neville erst einmal dort unten bleiben und den Platz von Pong einnehmen, während dieser in Nevilles Haus alles auf den Kopf stellt. Neville ist davon natürlich überhaupt nicht begeistert und ekelt sich vor der Trollwelt, in der es nur Dinge wie Ohrenschmalzbrownies und Rattenbouletten zu essen gibt. Außerdem ärgert ihn die Trollschwester von Pong, genannt Rötli, und macht ihm so das Leben schwer. Neville muss sich also erst einmal einigen Herausforderungen und kleinen Abenteuern stellen, um am Ende wieder in die Menschenwelt zurückzugelangen. 

„Das hier musst du unbedingt probieren!“, meinte Malaria. „Deine Geschmacksnerven werden Trollpolka tanzen. Schön weit auf dem Mund.“

Plötzlich musste Neville an Hänsel und Gretel denken, die so lange gemästet wurden, bis sie dick und rund genug waren, um gebraten zu werden. Ängstlich klappte er den Mund zu. „Versuch’s mal, Nev“, forderte Mulch ihn vom anderen Tischende aus auf. „Ist wirklich schlämmlich.“

„Ich mag aber kein Grünzeug“, ächzte Neville. „Das ist doch kein Grünzeug, oder?“ „I wo!“, antwortete Malaria. Das Essen roch interessant und Nevilles Bäuchlein grummelte... Vielleicht könnte er ja... „Na ja, kosten kann ich ja“, meinte er und streckte vorsichtig die Zunge raus. Er sah zu, wie Malaria den Deckel von einem der Töpfe hob und suchend darin herumrührte. Dann hielt sie Neville mit einer Hand die Augen zu und legte einen Bissen auf seine Zunge. „Wie findest du das?“, wollte sie wissen und nahm die Hand von seinen Augen. Neville kaute. Es schmeckte wie Burgerfleisch, nur saftiger und ein bisschen salzig. „Lecker“, sagte er mit vollem Mund. „Nimm dir ruhig mehr“, bot Malaria an, also genehmigte Neville sich einen weiteren Happen. Das Fleisch schmeckte viel besser, als der Petersilienhaufen seiner Mutter. „Was ist es denn?“, fragte Neville mampfend. „Rattenfrikadelle, in Haarfett gebraten.“ Malaria strahlte. „Eine Familienspezialität der Tölpel.“ 

Neville erstarrte. Er lief zuerst weiß an, dann grün. In hohem Bogen spuckte er die Rattenfrikadelle durch das halbe Zimmer, sprang vom Tisch auf und schabte sich jammernd mit der Hinterhand die Zunge ab. „RATTE!“, schrie er. „RATTE DARF ICH NICHT ESSEN!“ Mulch und Malaria wirkten entsetzt. Sogar Rötel hörte kurz auf, sich den Bauch vollzuschlagen, und starrte ihn an. (...)

„Na schön, mein kleiner Extrawurstklumpen.“ Malaria hob sämtliche Deckel von den Töpfen und warf sie auf den Boden. „Wir haben Dachs im Schlafrock mit einer Prise Warzensplitter. Sehr schlämmlich!“ Neville klappte die Kinnlade herunter. Doch Malaria bemerkte es nicht und ging zum nächsten Topf über. „Das hier ist Linke-Socke-Eintopf“, teilte sie Neville mit. „Socken?“ Neville überlegte, ob er sich verhört hatte. „Linke Socken“, korrigierte Malaria. „Kein Käse der Welt ist herzhafter als Zehenkäse vom Fuß eines Überlings“, erklärte Mulch. (...)

„Und was ist das da?“, fragte er. „Ohrenschmalz-Brownies“, erklärte Malaria. „Hau rein, Nev, die sind noch warm.“

„Plong! Hier kommt Pong...“ ist ein typischer phantastischer Roman, der auf eine sehr witzige Art und Weise erzählt, wie Neville in die Trollwelt gelangt und wie er es am Ende schafft, wieder in die Menschenwelt zu gelangen. Das Buch ist in der dritten Person geschrieben und mit einigen lustigen und wunderbar ekligen Zeichnungen versehen, die unter anderem Trolle und deren Essen darstellen. Die Geschichte ist in mehrere Kapitel unterteilt, die in der Länge variieren. Alle längeren Kapitel drehen sich um Neville, während die kurzen Kapitel, als eine Art kleiner Einschub, berichten, was Pong gerade in der Menschenwelt anstellt. 

Der Protagonist Neville ist ein kleiner Junge, der bei seinen Eltern lebt, eine Brille trägt, Angst im Dunkeln hat und sich in schwierigen Situationen immer mit seinem Lieblingshelden Captain Super Mut macht. Damit verkörpert er einen gewöhnlichen Jungen, in den man sich als Leser sehr gut hineinversetzen bzw. mit dem man sich identifizieren kann. In den ersten paar Zeilen wird gleich angekündigt, dass die Familie von Neville ein Troll-Problem hat und schon ist man mittendrin in der phantastischen Geschichte.
In die Welt der Trolle wird der Leser nach und nach eingeführt. Zu Beginn lernt man nur den Troll Pong kennen, der nachts bei der Familie von Neville für Unruhe sorgt. Schon da wird klar, dass die Trollwelt nicht den Konventionen der Menschenwelt entspricht, denn Pong findet, dass die frisch gewaschene Wäsche stinkt und sie bringt ihn „zum Würgen“. Dass Neville ausgerechnet durch die Toilette in die phantastische Welt der Trolle gelangt, ist auch nicht gerade appetitlich und ab da nimmt die Trollwelt so richtig Gestalt an. 

Der Trollpoopa wird als „geradewegs einem Albtraum entsprungen“ beschrieben und die meisten Adjektive, die die Trollwelt beschreiben, stammen aus der Sparte ‚hässlich’, ‚eklig’ und ‚grauenhaft’. Des Weiteren gibt es in dieser Welt auch besondere Gesetze. Zum Beispiel kann man nur in besonderen „Grapschnächten“ in die Menschenwelt gelangen und es gibt keine gewöhnliche Uhr, sondern ein „Ding-Tock-Dong-Dingsbums“, das durch unterschiedliche Klänge die Zeiten ankündigt, wann die Trolle aufstehen müssen, wann sie ins Bett gehen sollen und wann die Grapschnächte sind. All diese Details und die vielen ungewöhnlichen „Trollwörter“ erleichtern es, sich die unterirdische Welt der Trolle vorzustellen.

Neville möchte zu Beginn nur noch nach Hause. Er weint und hofft, dass das alles nur „ein schlimmer, stinkender Traum“ ist. Das außergewöhnliche Essen der Trolle und die Sticheleien seiner Trollschwester Rötli machen es ihm auch nicht leichter und er versucht aus der Trollwelt zu entkommen. Rötli ist unfreundlich und unverschämt, sowohl gegenüber ihrer Mutter, als auch vor allem gegenüber Neville. Sie versucht ihn loszuwerden, indem sie behauptet, sie könne ihm einen Weg in die Menschenwelt zeigen. Allerdings lockt sie ihn in einen Sumpf, in dem gefährliche Schlurche leben. Da Neville allerdings nach Mensch stinkt, verschonen ihn die Schlurche und gehen stattdessen auf Rötli los. Da Neville ein netter Junge ist und ein gutes Herz hat, hilft er Rötli und rettet ihr das Leben. Diese Stelle zielt sehr auf die Moral ab: Rötli, die egoistisch ist und Neville nicht mehr bei sich haben möchte, versucht ihn auf hinterhältige Art loszuwerden und muss am Ende selbst um ihr Leben kämpfen. 

Neben den moralischen Aspekten kann diese Stelle auch als Wendepunkt betrachtet werden. Rötli ist Neville gegenüber danach zumindest ein wenig freundlicher und Neville schafft es durch seine Gedanken an seinen Lieblingshelden Captain Super selbst zum Held werden. Er entwickelt sich dadurch von einem kleinen ängstlichen Jungen zu einem mutigen Jungen und ist sehr stolz auf sich.

Gegen Ende der Geschichte wird deutlich, dass Neville sich schon sehr an die fremde Welt der Trolle gewöhnt hat und er sich nur noch selten an sein Zuhause in der Menschenwelt erinnert. Er hat sich sogar so gut bei den Trollen eingelebt, dass ihm selbst Pilze aus der Haut wachsen und seine Hautfarbe eher grün als rosig ist. Dieser Aspekt zeigt, dass man sich an alles gewöhnen kann, genauso wie Neville sich an die eklige Trollwelt gewöhnt hat.  

Die Phantasiegeschichte ist insgesamt sehr angenehm zu lesen. Sie ist spannend geschrieben und man kann sehr gut aus dem Alltag entfliehen. Gerade für junge Leser ist die Trollwelt ein besonders tolles Abenteuer, da in dieser Welt andere Regeln gelten und viele Dinge, wie zum Beispiel das Nasebohren, nicht als unangemessenes Benehmen gelten und nicht – wie in der Menschenwelt – verpönt sind.

Die kleinen Kapitel, in denen kurz Bericht erstattet wird, was Pong in der Menschenwelt treibt, bringen zusätzlichen Witz in die Erzählung und dass Nevilles Eltern so unaufmerksam sind, dass sie gar nicht merken, dass sie mit einem Troll und nicht mehr mit ihrem Sohn zusammen wohnen, treibt das ganze auf die Spitze.

Das Cover ist bunt und lustig gestaltet und zeigt Neville, wie er aus dem Schlaf hochschreckt und Pong, wie er sich mit einem Kissen über Neville beugt. Der Titel „Plong! Hier kommt Pong...“ ist ebenfalls lustig, allerdings vermittelt er den Eindruck, dass Pong der Protagonist ist und nicht Neville.

Das Buch hat 173 Seiten und ist in 34 Kapitel aufgeteilt, die jeweils zwischen einer und zehn Seiten umfassen und einige witzige Bilder enthalten. Die Schriftgröße ist angenehm groß und für Leseanfänger gut geeignet. Auch die einfache und lustige Erzählweise ist für Leseanfänger passend und macht das Lesen zu einem Vergnügen. 
Das Besondere an diesem Buch sind die Trollsprache und der Anhang mit der Überschrift „Ein paar spaßliche Dingelchen“. In diesem fantasievollen Zusatzkapitel werden ungefähr zwei Seiten mit Trollvokabeln angeführt, gefolgt von „bäuchlein-schaukelnden Witze[n]“. Des Weiteren gibt es noch ein Gedicht und drei Rezepte. Es gibt ein Rezept für Cupcakes („Dungelmist“), eines für ein Dessert im Glas („Würmer in Dreck“) und eines für Tomaten-Mozzarella-Salat („Eingelegte Fischaugen“). Die Rezepte sind in Trollsprache geschrieben, kindgerecht und sehr durchdacht. Dieser Anhang und auch das Troll-Lesezeichen, das mit zum Buch gehört, machen das Buch sehr besonders und bereiten jedem Leser eine große Freude.

„Plong! Hier kommt Pong...“ eignet sich hervorragend zum Einstieg ins Phantasielesen. Besonders für Jungen ist diese witzige Geschichte mit all ihren ekligen Facetten ein Vergnügen und animiert vielleicht sogar zum Vokabellernen der Trollsprache.