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Buchcover Jens Schumacher: Asmoduin. Die  Nervensäge kehrt zurück

Rezension von Lea Hartmann

Es ist mittlerweile sechs Wochen her, seitdem der dreizehnjährige Robert Zarkoff, kurz Bob genannt, den Jungteufel Asmoduin das letzte Mal gesehen hat. Inzwischen hat der übergewichtige Junge jedoch ganz andere Probleme: Sein Mathelehrer Herr Palmentari ist seit nunmehr zwei Wochen wie ausgewechselt. Er quält seine Schüler mit viel zu schweren Hausaufgaben und Tests. Als wäre das nicht schon schlimm genug, taucht plötzlich Asmoduin wieder in Bobs Zimmer auf...

BuchtitelAsmoduin – Die Nervensäge kehrt zurück
AutorJens Schumacher
GenreFantastischer Realismus
Lesealter12+
Umfang160 Seiten
Edition1. Auflage 2014
Verlagueberreuter
ISBN978-3-7641-5019-8
Preis9,95 €

Es ist mittlerweile sechs Wochen her, seitdem der dreizehnjährige Robert Zarkoff, kurz Bob genannt, den Jungteufel Asmoduin das letzte Mal gesehen hat. Inzwischen hat der übergewichtige Junge jedoch ganz andere Probleme: Sein Mathelehrer Herr Palmentari ist seit nunmehr zwei Wochen wie ausgewechselt. Er quält seine Schüler mit viel zu schweren Hausaufgaben und Tests. Als wäre das nicht schon schlimm genug, taucht plötzlich Asmoduin wieder in Bobs Zimmer auf. Der Urururgroßenkel des Herrschers der Unterwelt hat beschlossen seine Ferien mit Schokolade und Fernsehen zu verbringen und welcher Ort könnte sich dafür besser eignen als die Oberwelt? Die Rückkehr des kleinen, roten Gesellen hat allerdings nicht nur drastische Auswirkungen auf Bobs Süßigkeitenvorrat, sondern auch auf seinen Schulalltag. Dort ereignet sich auf einmal ein Streich nach dem anderen und obwohl der Verdacht nahe liegt, hat Asmoduin dieses Mal nichts damit zu tun. Nach einiger Zeit wird dem ungleichen Team klar, dass nicht nur bei Gari Palmentaris Verhalten böse Mächte im Spiel sein müssen, sondern womöglich noch ein anderes Wesen einen Weg aus der Hölle gefunden hat und nun sein Unwesen treibt. Ob es ihnen nun gefällt oder nicht, um wieder für Ruhe und Frieden an der Schule zu sorgen, müssen Bob und Asmoduin zusammenarbeiten.

Panisch fuhr ich herum. Noch bevor meine Augen das Zwielicht im hinteren Bereich des Zimmers durchdringen konnten, klingelte in meinem Kopf eine gellende Warnglocke.
Ich kannte diese Stimme!
Da sah ich die gedrungene Gestalt, die auf der Arbeitsplatte des Schreibtischs hockte. Im Halbschatten erinnerte sie an eine verkleinerte Version eines schmerbäuchigen Metzgermeisters, den man irgendwie auf die Größe eines Fünfjährigen geschrumpft hatte. Zwischen ihrem Hinterteil und meinem Nachttisch peitschte ein schlangenartiger Auswuchs hin und her, dessen Spitze ich soeben beim Griff zur Lampe berührt hatte.
»Überrascht, mich zu sehen, Schwabbel?«
Unbeherrscht hämmerte ich auf den Schalter der Nachttischlampe ein. Helligkeit durchflutete den Raum.
Der Besucher war tatsächlich nicht größer als ein Vorschulkind. Seine Haut war knallrot, ebenso die Latzhose, in der er steckte. Unzählige spitze Zähne glitzerten in einem breit grinsenden Mund, ein Stück dahinter blitzten mir schwarze, unergründliche Knopfaugen entgegen.
»As… Asmoduin?«
»Büffeldung und Pferdeapfel! Aus dem Geschichtsunterricht weiß ich ja, dass ihr Oberweltler nur selten mit überschäumender Freude reagiert, wenn ihr einem Vertreter meiner Rasse begegnet. Aber das ist selbst für deine Verhältnisse ein bisschen schwachbrüstig, Schwabbel.« (S. 22 f.)

Im Gegensatz zum ersten Teil der Asmoduin-Reihe, verschlägt es den Jungteufel dieses Mal aus freien Stücken an die Erdoberfläche. Da in Hel gerade Schulferien sind, beschließt er kurzerhand, mithilfe einer Erfindung seines Onkels, seinem menschlichen ‚Freund‘ erneut einen Besuch abzustatten und dessen Leben wieder auf den Kopf zu stellen. Die Geschichte rund um Bob und Asmoduin spielt sich dabei zwar in erster Linie auf der Erde ab, nichtsdestotrotz erhält der Leser aber auch immer wieder kleine Einblicke in das Leben in Hel bzw. der Hölle. Diese sollen dem Leser aufzeigen, dass sich die beiden Protagonisten und ihre Lebensumstände doch in manchen Punkten relativ ähnlich sind. So sind z. B. beide gut in der Schule, lieben Schokolade und sind nicht gerade schlank. Zudem weist Asmoduin auch immer wieder darauf hin, dass er nicht nur ein Abkömmling der einflussreichen Baal, sondern dass sein Urururgroßonkel Shaitan III. der Herrscher der Unterwelt ist. Über Bobs Familienverhältnisse erfährt der Leser nur, dass seine Mutter nie Zeit für ihn hat und ständig arbeitet, um ihrem Sohn ein gutes Leben ermöglichen zu können. Insbesondere bei Bob handelt es sich also um den typischen Anti-Helden mit stattlicher Figur, dicker Brille und einer Vorliebe für Comichefte und Rätsel, der zwar sehr gut in Mathe, dafür aber auch genauso schlecht in Sport ist.

Die gesamte Geschichte ist logisch und chronologisch aufgebaut und für deren Verständnis ist es nicht zwingend notwendig, den ersten Teil, Asmoduin – Nervensäge aus der Hölle gelesen zu haben. Dabei ist es trotz übernatürlicher Vorkommnisse und Wesen leicht möglich, sich in Bob und seine Probleme in der Schule und im Alltag hineinzuversetzen, da der Leser womöglich einige Dinge, wie z. B. fiese Mathetests, auch aus seinem eigenen Leben kennt. Im Verlaufe der Handlung durchläuft der Protagonist jedoch auch eine Entwicklung und muss seine Angst überwinden, um mithilfe von Asmoduin die drohenden höllischen Mächte in die Unterwelt zurückzuschicken und dadurch am Ende nicht nur seinen Lehrer, sondern auch seine Cousine Zara zu retten. Zusammengeschweißt durch dieses Abenteuer und den gemeinsamen Kampf gegen ‚das Böse’ kommt es schließlich auch dazu, dass Asmoduin und Bob schon fast freundschaftlich miteinander umgehen. Daher ist sich Bob zum Schluss sicher, dass er den Jungteufel schon bald wiedersehen wird.

Das Cover des Romans, auf dem Asmoduin auf einem Liegestuhl grinst, hilft bereits von Anfang an dabei, sich die kleine ‚Nervensäge‘ besser vorzustellen. Zusammen mit der herausstechenden Gestaltung des Titels, trägt dieses Bild schon dazu bei, dass ein erster Eindruck über den Inhalt des Buches entsteht. Dieser teilt sich in 16 Kapitel auf, deren Umfang zwischen fünf und 15 Seiten schwankt. Die Geschichte wird durchgehend aus Bobs Perspektive erzählt, sodass sich die Leser durchaus in seine Lage hineinversetzen können. Asmoduin ist aufgrund seiner vorlauten Art und seiner, häufig ironischen oder leicht sarkastischen, Kommentare der ‚Humorträger‘ der Geschichte. Aber insbesondere der Sarkasmus und Ironie setzen voraus, dass die Leser mit solchen komischen Elementen vertraut sind. Obwohl die Schriftgröße noch verhältnismäßig groß gehalten ist, ist der Roman jedoch trotz seiner überschaubaren Länge nicht für Leseanfänger geeignet, da er einige Fremdwörter (z. B. „Furunkel“, „exorbitant“), Neologismen (z. B. „entitätentransformierender Dimensionsrefraktionator“ und Anglizismen (z. B. „Tablet“, „Display“) enthält, welche Schwierigkeiten beim Lesen und beim Verständnis des Inhalts bereiten könnten. Gerade diese Wortwahl sorgt jedoch nicht zuletzt dafür, dass Asmoduin – Die Nervensäge kehrt zurück eine gelungene Mischung aus Spannung und Humor bietet, die den Leser von Anfang an in ihren Bann zieht. Ansonsten ist der Roman jedoch größtenteils leicht verständlich und enthält als kleines ‚Schmankerl‘ in der unteren, rechten Ecke jeder Doppelseite eine kleine Zeichnung des Jungteufels (bei schnellem Blättern entsteht ein Daumenkino).

Alles in allem bietet der Roman durch die gelungene Gegenüberstellung zwischen Erdoberfläche und Hölle und die, nicht immer reibungslos verlaufende, Zusammenarbeit von Bob und Asmoduin eine Menge Spannung und Spaß für junge Leser.

Asmoduin – Die Nervensäge kehrt zurück ist nicht nur als Freizeitlektüre, sondern auch für Vielleseverfahren geeignet. Dabei könnte der Roman vor allem zu Beginn der Sek I für viel Unterhaltung und Spaß sorgen und so die Lust am Lesen fördern (besonders auch wegen dem Bezug zur Schule, die für die Zielgruppe ein hochaktuelles Thema ist und somit Identifikationsmöglichkeiten bietet).