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Buchcover Alice Gabathuler: Blackout

Rezension von Andreas Seidler

Der Jugendliche Nick findet sich eines Tages verschmutzt und mit schwerem Kopf auf der Straße wieder. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist ein gemeinsamer Discobesuch mit seiner Cousine Carla. Doch dieser liegt schon drei Tage zurück. An die Zeit dazwischen fehlt Nick jede Erinnerung. Carla wird seit dem Abend in der Disco vermisst und der Verdacht fällt auf Nick.

BuchtitelBlackout
AutorAlice Gabathuler
GenreKrimi & Thrill
Lesealter12+
Umfang223 Seiten
VerlagThienemann
ISBN978-3-522-17872-3
Preis9,95 €

Der Jugendliche Nick findet sich eines Tages verschmutzt und mit schwerem Kopf auf der Straße wieder. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist ein gemeinsamer Discobesuch mit seiner Cousine Carla. Doch dieser liegt schon drei Tage zurück. An die Zeit dazwischen fehlt Nick jede Erinnerung. Carla wird seit dem Abend in der Disco vermisst und der Verdacht fällt auf Nick, er habe etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat.

Aufgrund seiner Probleme mit Eltern und Schule sowie einiger Drogendelikte ist Nick ein naheliegender Verdächtiger. Er beginnt daher selbst mit den Nachforschungen nach Carlas Verbleib. Dabei findet er neue Freunde, trifft aber auch auf unerwartete Gegner und gerät schließlich selbst in tödliche Gefahr.

„Nicks Gedanken überschlugen sich. Er musste zu Kristen und mit ihr über diesen hageren Blonden sprechen. Über Thomas und die Fotos. Die Puzzleteile diesmal richtig zusammensetzen, sodass sie Sinn ergaben. Er lief los.
Nach kurzer Zeit pochte sein Kopf und seine Seiten schmerzten. Er blieb stehen und beugte sich keuchend vornüber. Aus den Augenwinkeln sah er ein Auto in die Straße einbiegen. Ein Streifenwagen!
Während Nick in seiner Stellung verharrte, suchten seine Augen nach einem Fluchtweg. Links ein leeres Baugrundstück, rechts Lagerhallen. Das Grundstück bot keinen Schutz, und um zu den Hallen zu gelangen, musste er auf die andere Straßenseite. Der Streifenwagen näherte sich im Schritttempo. Nick schätzte seine Chancen ein und riskierte es. Die Hände in den Hosentaschen vergraben und den Kopf leicht eingezogen, überquerte er die Straße äußerlich gelassen und verschwand gerade noch rechtzeitig in einem Durchgang zwischen zwei Hallen. Dort presste er sich an eine Wand und wartete angespannt darauf, dass der Wagen vorbeifuhr. Er hörte jemanden sprechen, hielt den Atem an und atmete erst wieder aus, als er eine Tür schlagen hörte und sich das Geräusch des Motors in der Ferne verlor.
Keine weiteren Risiken mehr! Er brauchte ein Versteck. Erfolglos rüttelte er an den Türen zu den Hallen. Sein Blick fiel auf eine Baubaracke auf dem Areal gegenüber. Geduckt rannte er zu ihr hinüber und zog an der baufälligen Tür, die sich mühelos öffnen ließ.
Nick trat ein und schaute sich um. Eine Pritsche im hinteren Teil, ein Tisch beim Fenster, das so schmutzig war, dass man nicht nach draußen blicken konnte. Unter dem Fenster eine Holzbank, zwei alte Stühle, Regale mit bunt zusammengewürfeltem Geschirr, Bierkisten in einer Ecke, alles mit einer Staubschicht bedeckt. Hier war schon lange niemand mehr gewesen.
Er legte Finns Handy auf den Tisch und setzte sich auf die Pritsche. Sobald die Dämmerung hereinbrechen würde, konnte er sich im Schutz der Dunkelheit auf den Weg zu Kristen machen. Erste Regentropfen fielen auf das Wellblechdach. Erschöpft lehnte sich Nick an die Bretterwand. Er wollte ausruhen, nur einen kurzen Moment, aber eine Flut von Bildern und Gedankenfetzen wirbelten durch seinen Kopf. Jetzt, wo er alleine war, hatte ihn die Angst voll im Griff. Kalter Schweiß brach ihm aus allen Poren. Er fühlte, wie er die Kontrolle verlor. Gleich würde er ausflippen. Wie damals.“ (S. 140f.)

Alice Gabathulers Krimi bietet eine gelungene Mischung aus Spannung und Action. Der Jugendliche Nick gerät in Verdacht, für das Verschwinden seiner Cousine verantwortlich zu sein. Das Rätsel um die Ereignisse, die zu ihrem Verschwinden geführt haben, und die gefahrvollen Nachforschungen sorgen gleichermaßen für Spannung.


Gabathuler macht sich dabei die beiden Grundformen der Spannungserzeugung im Krimi auf gekonnte Weise zunutze. Der den Titel gebende Blackout des Jugendlichen Nick stellt diesen gemeinsam mit dem Leser vor das Rätsel um die Ereignisse, die zum Verschwinden von Nicks Cousine Carla geführt haben. Die Bemühungen um die Aufdeckung dieses Geheimnisses verwickeln den Protagonisten fortwährend in neue Konflikte und gefährliche Situationen. Die in die Vergangenheit gerichtete Rätselspannung und die Spannung auf die weiteren Ereignisse im Aufklärungsprozess werden gekonnt miteinander verknüpft.
Falsche Verdachtsmomente der Polizei und von Nick, der gegen den Vorwurf ankämpfen muss, selbst etwas mit dem Verschwinden seiner Cousine zu tun zu haben, halten die Spannung aufrecht, bis sich die unterschiedlichen Puzzleteile schließlich zusammenfügen, den Helden damit aber beim großen Showdown in tödliche Gefahr bringen.

Individuelle und gesellschaftliche Probleme, die in der spannenden Krimihandlung von "Blackout" aufgegriffen und verarbeitet werden, sind die Frage, wie es möglich ist, den Erwartungen der eigenen Eltern gerecht zu werden, und die Frage nach der Möglichkeit von Vertrauen. Dem Drogenmissbrauch und den schulischen Problemen des jugendlichen Protagonisten stehen Gewinnstreben, Neid und Intrigen in der Welt der Erwachsenen gegenüber.
Die familiäre Normalität war bei Nick bereits vor dem über ihn hereinbrechenden Kriminalfall zerstört. Der Konflikt mit seinem übermächtigen Vater, der als erfolgreicher Geschäftsmann alle Menschen in seiner Umgebung überragt, und der Kontakt mit Drogen haben ihn auch schulisch aus der Bahn geworfen. Nach der Aufklärung des Verbrechens und der gemeinsam überstandenen Gefahr deutet sich die Hoffnung auf eine verständnisvollere gemeinsame Zukunft der beteiligten Figuren jedoch an, so dass die Wiederherstellung auch von persönlicher Stabilität mit der Auflösung des Falles zumindest in Aussicht steht.


Die Vielzahl und die Schwere der persönlichen Probleme, die die Geschichte ihrem jungen Helden aufbürdet, birgt die Gefahr, dass sich die spannende Handlung in Mitleid oder in einer sozialpädagogischen Perspektive verliert. Es gelingt der Autorin aber, ihre Erzählung durch diese Aspekte anzureichern, ohne dass sie die Oberhand gewinnen über den mit dem Mut des Verzweifelten ausgetragenen Kampf des Protagonisten um das Leben seiner Cousine, der letztendlich auch der Kampf um sein eigenes Leben ist. Da Nicks Schwierigkeiten mit Eltern und Schule vielen Heranwachsenden in abgemilderter Form vertraut sein dürften, bietet die Figur Identifikationspotenzial für die Leser. Es sind jedoch nicht nur die Probleme, die Identifikation ermöglichen. In positiver Weise tun dies auch die Kraft und die Entschlossenheit, mit denen sich Nick gegen die über ihn hereinbrechende Katastrophe zur Wehr setzt und damit schließlich auch die Anerkennung von Gleichaltrigen und Erwachsenen gewinnt.

"Blackout" bietet eine äußerst spannende Kriminalgeschichte, die einen zunächst überforderten Jugendlichen zeigt, der in dem Moment, da seine Probleme aussichtslos zu werden drohen, beginnt, sich aus eigener Kraft dagegen zu wehren. Die Auflösung des Verbrechens verbindet sich mit der persönlichen Reifung des Helden. Damit wird der Krimi auch zu einer Adoleszenzgeschichte. Das Zusammenwirken dieser beiden Ebenen macht aus Blackout attraktiven Lesestoff auch für Einsteiger.

Für Vielleseprogramme geeignet