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Buchcover Joachim Masannek: Honky Tonk Pirates: Das verheißene Land

Rezension von Thorsten Hadeler

Berlin, 1760: Der Waisenjunge Will kämpft als raffinierter Meisterdieb ums tägliche Überleben – und knöpft den Reichen so manchen Taler ab, verschont aber die Armen. Dabei hat er nur ein Ziel vor Augen: Er will Pirat in der Karibik werden. Sein Wunsch scheint sich zu erfüllen, als er dem düsteren Baron de Talleyrand einen Teil eines geheimnisvollen Amuletts stiehlt...

BuchtitelHonky Tonk Pirates: Das verheißene Land
AutorJoachim Masannek
GenreAbenteuer
Lesealter12+
Umfang223 Seiten
Edition2. Auflage 2010
Verlagcbj Verlag, München
ISBN978-3-570-15265-2
Preis9,99 € (D), 10,30 € (A)

Berlin, 1760: Der Waisenjunge Will kämpft als raffinierter Meisterdieb ums tägliche Überleben – und knöpft den Reichen so manchen Taler ab, verschont aber die Armen. Dabei hat er nur ein Ziel vor Augen: Er will Pirat in der Karibik werden. Sein Wunsch scheint sich zu erfüllen, als er dem düsteren Baron de Talleyrand einen Teil eines geheimnisvollen Amuletts stiehlt und dieser ihn daraufhin auf die Pirateninsel New Nassau in die Karibik verschleppt! Nicht nur der Baron, sondern auch eine gefährliche Piratenhorde ist dort auf der Suche nach den anderen Teilen des Amuletts, das die Herrschaft über die Welt ermöglichen soll. Die einzige Hoffnung für Will und seinen Freund Jo ist die wunderschöne und verwegene Piratin Honky Tonk Hannah. Doch man kann niemandem trauen, denn: Pirat bleibt Pirat. Und so beginnt eine atemberaubende Jagd…

Will packte Jo. »Siehst du die Ankerkette? Dann halt dich da fest!«
Er schleuderte seinen kleinen Freund hoch in die Luft, vergewisserte sich, dass der die Kette zu fassen bekam, und sprang dann selbst. Er sprang kraftvoll, ruhig und war überhaupt nicht in Panik. Das war wie in Berlin, wenn er die Katapultaufzüge benutzte. Doch dieses Mal sackte der Boden unter ihm weg. Das Ruderboot sank und nahm dem Sprung seine Kraft. Will reckte und streckte seine Arme und Finger, doch er kam nicht mehr ganz an die Ankerkette heran. Er blickte nach unten. Dort flogen die grausigen Alligatoren-Muränen jetzt auf ihn zu. Sie würden als Erstes seine Füße erwischen: zuerst die Füße und dann die Waden.
Will schloss seine Augen. Das war's!, dachte er und glaubte auch schon, das Gift ihrer Zähne in seinen Beinen zu spüren, da fiel Moses Kahiki vom Klüverbaum.
Er schwang an einem Seil zu ihm herab, wickelte es sich im Sturz um die Knie, ließ sich wie ein Trapezkünstler kopfüber fallen, packte Will an den Haaren und zog ihn im wirklich allerletzten Moment – kurz bevor sich die Kiefer der ins Leere springenden Monster ineinander verkeilten – zu sich hinauf und schwang sich mit ihm auf einen Flügel des Mantas.
»Hoh!«  stöhnte Will und dann musste er lachen. Atemlos und mit rasendem Herzen: »Hoh! Das war knapp. Ich glaube, ich schulde ich dir was.« Erschaute zu Jo und ballte die Faust. »Ja!«, rief er. »Ja, du hast es geschafft. Du lebst Jo, du lebst!«
Will lachte vor Freude, doch Jo glaubte ihm nicht. Er hing kreidebleich an der Kette und starrte Will an.
»Wie? Bitte, was?«, fragte er. »Bist du sicher?«

"Wenn man in einem lichtlosen, stinkenden Keller eine Kerze anzündet, verziehen sich die Asseln, Kakerlaken und Ratten durch Löcher und Ritzen an einen Ort, an den selbst das Feuer der Hölle nicht mehr vordringen kann. Dieser Ort heißt Berlin."

Man sagt, ein guter Lektor könne schon nach den ersten drei Seiten eines Buches entscheiden, ob die Veröffentlichung lohne oder nicht. Joachim Masannek ist vermutlich schon mit den oben zitierten ersten beiden Sätzen von  "Honky Tonk Pirates" das Kunststück gelungen, seinen Lektor für sich einzunehmen. Und wer sich als Leser auf die Geschichte, die Masannek uns zu erzählen hat, einlässt, der wird es sicher nicht bereuen.

Zunächst mutet es ja vielleicht etwas seltsam an, sich mit einer Piratengeschichte an eine Altersgruppe zu wenden, die diesem Genre eigentlich schon längst entwachsen sein sollte. Aber dann: Hat nicht in den letzten zehn Jahren mit "Fluch der Karibik" im Kino eine Serie von Filmen in allen Altersgruppen für Furore gesorgt, bei der vorher auch niemand einen Pfifferling darauf gegeben hätte, das sich jemand dafür interessieren könnte?

Und tatsächlich hat "Honky Tonk Pirates" große Ähnlichkeit mit den Geschichten über Jack Sparrow: Die historische Szenerie wird angereichert mit phantastischen Elementen und ermöglicht so einen frischen Blick auf ein scheinbar angestaubtes Setting. Die Charaktere sind erheblich vielschichtiger ausgearbeitet, als man es aus der Schwarz-Weiß-Malerei der alten Piratengeschichten kennt. Und vor allem sind die gefährlichen Erlebnisse der Protagonisten immer wieder gespiegelt von herrlicher Situationskomik und wunderbarem Sprachwitz, die manchmal die Frage aufkommen lassen könnten, ob dies eigentlich noch eine Abenteuergeschichte oder schon eine Komödie ist.

Dieses Buch ist beides, witzig und spannend, ohne dabei in zwei Teile zu zerfallen, die nicht zueinander passen würden. Joachim Masannek ist hier ein großer Wurf gelungen - man merkt sofort, dass der Mann (immerhin Autor der berühmten Wilde-Kerle-Reihe) sein Fachbeherrscht. Er hält seine Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite aufrecht, baut trotzdem immer wieder gelungene unerwartete Wendungen ein, und er schafft es sogar, noch relativ spät in der Geschichte neue Figuren einzuführen, die dann noch zu Protagonisten werden.

Die Fantasie des Autors scheint fast überzulaufen, so viele Überraschungen hält er für seine Leser bereit. Schon allein die Idee, die Geschichte im Berlin des Jahres 1760 beginnen zu lassen, hier den Hintergrund seines Helden als jugendlichen Meisterdieb zu verorten, der sich wünscht, einmal ein richtiger Pirat zu sein, verdient Respekt. Mehrmals führt Masannek seinen Helden dann auf dem Weg zur Erfüllung dieses Lebenstraums in schier ausweglose Situationen, aus denen er nur durch überraschende, und doch nachvollziehbare Wendungen gerettet werden kann. Mitfiebern ist garantiert.

Gerade dieses Mitfiebern wird einem Leser natürlich noch erleichtert, wenn ihm die Protagonisten sympathisch sind. Hier zahlt es sich aus, dass Masannek der Ausarbeitung seiner Figuren und ihrer Charaktere viel Aufmerksamkeit widmet. Sie sind keine Strohpuppen, die nur eine Aufgabe zum Zwecke der Erzeugung einer spannenden Handlung zu erfüllen hätten. Vielmehr sind sie Menschen aus Fleisch und Blut, die Angst haben, sich verlieben oder Dummheiten begehen.

Und dies ist noch nicht einmal alles, was Joachim Masannek in „Honky Tonk Pirates“ in Summe richtig gemacht hat. Am wichtigsten ist aber: Dieses Buch ist einfach ein großer Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

für Vielleseprogramme geeignet