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Buchcover Peter Brown Hoffmeister: Manchmal kann man nur noch lachen

Rezension von Alexei Medvedev

Um seiner krebskranken Oma ihren letzten Sommer unterhaltsamer zu machen, entlässt der 16-jährige Travis zwei Kaimane in den mitten in einer Wohngegend gelegenen See. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Eigentlich hatte Travis vor, mit seinem Kumpel Creature jeden Tag Basketball zu spielen, viel draußen abzuhängen, vielleicht ein Mädchen kennen zu lernen, aber bitte keinen Blöd-sinn mehr zu machen! 

Doch es kommt ganz anders: Der Streich mit den Kaimanen war noch das kleinste Übel…

BuchtitelManchmal kann man nur noch lachen
AutorPeter Brown Hoffmeister
GenreComing of Age
Gegenwart & Zeitgeschichte
Lesealter14+
Verlagcbt Taschenbuch
ISBN978 3 570 31270 4
Preis10,00 €

Der 16-jährige Travis kann sich noch an die Zeiten erinnern, als er, damals noch ein Kind, mit seiner Mutter draußen in notdürftig eingerichteten Behausungen und Müllcontainern über-nachten musste. Heute wohnt er zusammen mit seinen Großeltern auf einem Wohnmobilstell-platz in North Eugene, Oregon. Er kümmert sich um seine krebskranke Oma, die wahrscheinlich nicht mehr lange lebt. Sein Plan für diesen Sommer ist einfach und trotzdem schwer umsetzbar: jeden Tag Basketball zu spielen und keinen Blödsinn zu machen. Travis war davor in einer Ju-gendstrafanstalt und steht seitdem unter genauer Beobachtung. Sein Kumpel Malik, Creature genannt, ist ein begnadeter Basketballer, aber noch lieber liest er und schreibt „Gebrauchsan-weisungen für russische Prinzessinnen“: Texte über russische Adelsdamen, die er begehrens-wert findet.  

Travis ist kein Heiliger, aber auch kein Bösewicht. Er hat einen feinen Gerechtigkeitssinn und versucht die (zu ihm und seinen Leuten) ungerechte Welt auf seine Art erträglicher zu machen, indem er zum Beispiel auf dem Grundstück seines rassistisch veranlagten Nachbarn Mr Tyler immer wieder uriniert oder Kaimane in den See entlässt…  

Er will ein normaler Teenager sein: den Sommer genießen, Kanu fahren, schwimmen gehen, mit Natalie, einem Mädchen aus der Nachbarschaft, flirten, nach seiner Mutter suchen. Was er nicht will, sind neue Probleme. Doch sie sind da, spätestens als Creature bei einem Basketballspiel auf der Straße von einem Schlägertyp niedergestochen wird. Kann Travis seinen Plänen treu blei-ben? Die Antwort bleibt offen.    

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

„Try until you fail, cry until you laugh - Versuch, bis du scheiterst, weine, bis du lachst“, unter diesem Slogan wird das Romandebüt Manchmal kann man nur noch lachen des US-Amerikaners Peter Brown Hoffmeister beworben. Wenn dies als Schlüssel zu seinem autobiografisch geprägten, sozialkritischen Schreiben dienen soll, ist es ein passender Schlüssel. Denn schon die erste Szene ist Tragikomik pur: Warum entlässt der 16-jährige Travis, Hauptfigur und Ich-Erzähler, zwei junge, agile Kaimane in den See? Aus Langeweile? Falsch gedacht: Um seiner im Endstadium krebs-kranken Oma einen ereignisreichen letzten Sommer zu bescheren! Von dieser Episode an hat der Roman seine Leserschaft fest im Griff. Und nicht nur, weil beide schnell wachsenden Tiere ab und zu Landgänge unternehmen und für schreckeinjagende Schlagzeilen sorgen…  

Das soziale Umfeld von Travis ist von Anfang an klar und schonungslos umrissen. Mutter: obdachlos, drogenabhängig, Verbleib unbekannt. Vater: keine Spur. Wohnort: Mobile Home in einem Trailer Park in North Eugene, Oregon. Seine Familie: beide Großeltern. Oma, die ihr ganzes Leben lang für zu wenig Geld als Lehrerin hart gearbeitet hat und nun in einem Plastiktrailer „wegen Scheißkrebs“ auf ihren Tod wartet. Solche harten Themen wie Altersarmut, Drogen, Obdachlosigkeit, Rassismus, Kriminalität sind verdichtet dargestellt, dennoch wirkt die Anhäufung von Bad News nicht übertrieben.

Travis hat einen stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und eigene Vorstellungen, wie er für mehr Fairness sorgen kann, indem er zum Beispiel auf dem Grundstück seines Nachbarn Mr Tyler, den er als Rassist missachtet, regelmäßig uriniert oder jemandem, der seiner Meinung nach Bullshit redet, einfach in die Fresse haut. Diese Selbstjustizausbrüche sind verzweifelt ungeplant, impulsiv, irgendwie nachvollziehbar, aber dennoch nicht hinnehmbar. Er meint es gut, er muss taff sein, ist aber auch leicht verletzlich und verletzend, er muss sein Versprechen halten, keine Auffälligkeiten mehr zuzulassen, und trotzdem muss er es brechen, weil er in der Situation nicht anders kann. Würden wir lange überlegen, ob wir Opas Auto ohne Erlaubnis nehmen sollen, wenn unser bester Freund vor unseren Augen verblutet und schnell ins Krankenhaus muss? Travis ist kein Heiliger, aber er ist auch kein Bösewicht. Hoffmeister gibt uns keine Antwort, wer Travis ist: Opfer der sozialen Umstände, ein hormongesteuerter verhaltensauffälliger Teenager oder vielleicht beides. Genau diese Kontraste machen ihn zum Sympathieträger und zur Identifikationsfigur für Jugendliche, die einen ähnlich kurvenreichen Lebensweg einschlagen. 

Seine Passion, sein Ausgleich, seine Rettung ist Basketball. Travis träumt davon, Mitglied der College-Mannschaft zu werden und muss dafür viel trainieren. Auch sein bester Freund Malik aka Creature ist ein begnadeter Basketballer und Nachwuchsliterat. Auch hier holt uns die soziale Realität ein: Malik ist schwarz und muss sich rassistische Sprüche anhören, die er aber nicht lange auf sich sitzen lässt. Dafür lebt er gefährlich und verliert am Ende sein Leben, nachdem er - von einem Schlägertyp niedergestochen und gerade frisch operiert – nach einer missglückten „Selbstjustizaktion“ auf dem Weg ins Krankenhaus verblutet. Travis‘ weiterer Lebensweg ist offen, unklar, bestimmt nicht gradlinig. Irgendwas sagt uns, er schafft es schon! Oder vielleicht doch nicht? Ein perfektes Open-End-Finale, das weitere Diskussionen anregt. 

Mit fast 450 Seiten ist das Buch etwas zu lang, aber dank dem einfach geschriebenen Text mit den Einschüben "Gebrauchsanweisungen für russische Prinzessinnen", die ausgelassen werden können, und kurzen Kapiteln erscheint die Lektüre kurzweiliger als erwartet. Die Schrift ist leser-freundlich, genauso wie die Romanstruktur insgesamt. Alles in allem ein Roman, der sich lohnt. 

Dank seiner prägnanten Sprache und gesellschaftskritischen Ausrichtung eignet sich Manchmal kann man nur noch lachen von P.B. Hoffmeister sowohl für das Fach Deutsch als auch für den gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht in der Oberstufe. Der Roman setzt sich altersgruppengerecht mit den Themen soziale Disparitäten/Altersarmut, Obdachlosigkeit, Drogenkonsum sowie Rassismus auseinander. Der Autor bezieht sich zwar auf die US-amerikanische Realität und seine beruflichen Erfahrungen in einem Outdoor-Integration-Programm für Jugendliche, doch ein Transfer in die heutige deutsche Gesellschaft ist problemlos möglich. Somit ist der Roman ein qualitativer literarischer Text und Beitrag zur politischen Bildung im weitesten Sinne. Der Preis von 10,00 Euro macht diesen Titel auch als Klassenlektüre erschwinglich.