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Buchcover Som Goldberg: Bens legendäre Skills – Liebe deinen Endgegner

Rezension von Dominik Achtermeier

In der Schule könnte es für den 14-jährigen Ben besser laufen: Seine Gegner sind Topographie in Erdkunde, Geräteturnen in Sport und Gleichungen in Mathematik. Da kommt ihm das neue Adventure Game ‚Exploria‘ gerade recht. Hier kann er die Angst vor einem drohenden Schulwechsel spielend leicht vergessen und im Kampf gegen die Wesen des Knüllwalds zeigen, was wirklich in ihm steckt. Die Illustrationen ergänzen den sprachlich authentischen wie komischen Text ganz wunderbar!

BuchtitelBens legendäre Skills – Liebe deinen Endgegner
AutorSom Goldberg
GenreHumor & Comedy
Lesealter12+
Umfang208
VerlagLoewe
ISBN978-3-7432-0556-7
Preis12,95

Ben Siegert verbringt seine Zeit zuhause am liebsten am Computer - als Fan des neuen Computerspiels ‚Exploria‘, dem Endlos-Adventure mit der größten digitale Welt, die jemals programmiert wurde. Mit einem Mitspieler, der als Zauberer Wirrbart auftritt, bezwingt er dort erfolgreich feindliche Kreaturen. Im echten Leben läuft es für Ben wiederum nicht so gut: Aufgrund schlechter Leistungen droht ihm ein Schulwechsel. Zum Glück ist er nicht alleine und kann auf seine Freunde Fadi und Emma zählen, die mit ihm eine Lösung suchen, damit Ben von der  Gesamtschule im unheimlichen Köherlviertel voller Gangs verschont bleibt. Trotz Lernbemühungen versagt er aber im Unterricht immer wieder.
Ben erzählt auch Wirrbart von seinen peinlichen Erlebnissen im Unterricht. Da rät ihm sein Mitspieler dazu, die positiven Gefühle, die das digitale Spiel bei ihm hervorruft, einfach in der realen Welt auszupacken. Als Ben diesen Ratschlag annimmt,  begegnen ihm imaginäre Wesen aus ‚Exploria‘ wie Sumpfschnapper und Blaustürze überall. Doch er lernt den „inneren Schalter“ umzulegen und es funktioniert: Die nächsten Erdkunde- und Sportstunde, sogar die Mathematikarbeit werden von Erfolg gekrönt und auch die Mitschüler staunen nicht schlecht. Als Ben sehr selbstsicher geworden ist, gibt sich plötzlich seine Lehrerin Frau Gneiß als Wirrbart zu erkennen und er beginnt erneut zu zweifeln.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Können Computerspiele zu besseren Schulnoten verhelfen und die Entwicklung eines Jungen positiv beeinflussen?
Der Comic-Roman Bens legendäre Skills – Liebe deinen Endgegner von Som Goldberg findet einen Plot aus dem echten Leben eines 14-jährigen Schülers. Schule kann manchmal ganz schön doof sein, vor allem dann, wenn man aufgefordert wird eine Matheaufgabe vor der Klasse zu lösen oder Gewässer auf einer Landkarte zu benennen. Flüchte in virtuelle Welten sind da eine willkommene Abwechslung, was viele Jungen und Leser dieses Buches sicherlich bestätigen können. Das Adventure Game ‚Exploria‘ steht stellvertretend für jene digitale Welten, die Heranwachsende mit Freiheit, Selbständigkeit wie auch Erfolgserlebnissen verbinden. Die Mediensozialisation der Heranwachsenden spielt auch bei den Peers des Protagonisten Ben, Fadi und Emma, eine große Rolle: Fadi filmt als Urban Explorer verlassene Gebäude und Emma bestitzt einen Videokanal, auf dem sie Schmink-Tutorials mit ihren Followern teilt. Hieraus geht hervor, dass der Autor leider auf geschlechterstereotype Zuordnungen – auch bei anderen Figuren – setzt.

Die kurzen Kapitel zeigen chronologisch sortierte Szenen aus dem analogen Leben von Ben und seinen Online-Sitzungen. Mit viel Witz und Liebe zum Detail werden Situationen geschildert, die den Bogen der emotionalen Gefühlswelt von Nervenstärke über Wahnsinn bis Mut – am Ende jedes Kapitels in drei Balkendiagrammen grafisch dargestellt – abbilden. Darüber hinaus tragen die comicartigen Illustrationen, die in den Textfluss integriert sind, zum Schmunzeln bei und sind eine große Bereicherung für die Lektüre. Überspitzt bringen die Zeichnungen Gedanken, Phantasien und Wahrheiten zum Ausdruck, die man nicht halb so gut hätte ausformulieren können. Viele lustige und originelle Ideen, wie beispielsweise die phantastischen Wesen des Knüllwalds, zu denen nicht zuletzt Sumpfschnapper und Blaustürze gehören, tragen dazu bei, die Leselust zu steigern und die Phantasie der Leser anzuregen. Anders als zunächst vielleicht erwartet, stellen Bens legendäre Skills jedoch keine Computer-Nerd-Tipps, sondern vor allem eine kunterbunte Sammlung an Erfahrungen, die der Anti-Held Ben im realen Leben macht, dar.

Der Autor Som Goldberg findet eine authentische Sprache, die nicht davor zurückscheut – beinahe unauffällig – Themen wie Pädophilie oder die Gefahr vor Cyber-Identitäten anzusprechen. Die Auflösung, dass sich hinter dem Mitspieler Wirrbart Bens Klassenlehrerin Frau Gneiß verbirgt, ist aus pädagogischer Hinsicht recht fragwürdig und als Regelbruch im Verhaltenskodex von Lehrer-Schüler-Beziehungen diskutabel, stört den jugendlichen Leser im Lesefluss jedoch vermutlich weniger. Wirrbart alias Frau Gneiß ist Bens Mentor und ermutigt ihn, seine Ängste anzugehen. Dies gelingt und zeigt wie wichtig es ist, (analoge und digitale) Motivatoren zu haben und wie man von persönlichen Leidenschaften in vielerlei Hinsicht profitieren kann.

Tatsächlich führt der Comic-Roman vor, dass Computerspiele und Phantasie einen großen Einfluss darauf haben können, den inneren Schweinehund zu besiegen: Die Mühe lohnt sich, seinen ‚inneren Schalter‘ zu finden und diesen umzulegen.

Auch wenn sich der Roman von Som Goldberg weniger als Klassen-. sondern mehr als Freizeitlektüre empfiehlt, eigenet er sich ganz besonders für Nicht- und Wenig-Leser, das Lesen für sich neuzuentdecken. Die Lektüre durchbricht die monotone Gestaltung konventioneller Romane und spricht durch ein comicartig-spielerisches Design an. Der Roman gliedert sich in 20 kurze Kapitel, die aus Text- und Bildelementen zusammengesetzt sind. Fremd- oder Schlüsselwörter werden durch Fettdruck hervorgehoben und nehmen teilweise ebenso Bezug auf die Illustrationen und Themen des Buchs wie die Unterüberschriften jedes Kapitels. Diese sind in Hashtags formuliert und verdeutlichen das Spiel mit digitalen Kommunikations- und Bildelementen.
Themen wie das Aufwachsen im digitalen Zeitalter, Freundschaft, Mobbing, Digitalität und Abenteuer sprechen ein breites Leserpublikum und in besonderem Maße die Lebenswirklichkeit von Heranwachsenden an. Der Roman eignet sich besonders für Leser, die gerne Comics lesen, und ermöglicht das Herantasten an Romane.