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Buchempfehlungen

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Buchcover Max Held: Wild Claws. Im Auge der Python

Rezension von Uta Woiwod

In rasantem Tempo nimmt Max Helds Abenteuergeschichte Fahrt auf: Unerklärliche Vorkommnisse im Everglades-Nationalpark, vor allem das merkwürdige Verhalten der Tiere, halten Jack und Logan in Atem. Die beiden Freunde von der Wildtierstation ‚Wild Claws‘ beschließen, dem Mysterium gemeinsam mit Charlotte, der Neuen in Jacks Klasse, auf den Grund zu gehen. Extrem spannend vermittelt der Roman ein ernstes und aktuelles Anliegen, nämlich den Schutz der Tiere und des natürlichen Lebensraums – wie ein Actionfilm zum Lesen.

BuchtitelWild Claws. Im Auge der Python
AutorMax Held
GenreKrimi & Thrill
Abenteuer
Lesealter10+
Umfang173
VerlagArena
ISBN978-3-401-60453-4
Preis12,00

Dass morgens ein Alligator im Swimmingpool schwimmt, das kann in Homestead/Florida schon mal vorkommen. Aber wenn eine Horde Wildschweine eine Tierstation angreift und eine Python von riesigem Ausmaß die Sümpfe der Everglades unsicher macht, dann stimmt etwas nicht. Die Freunde Jack und Logan von der Wildtierstation Wild Claws glauben nicht, dass dieses Verhalten sich mit zu viel Hitze erklären lässt. Erst recht nicht, seit dieser mysteriöse Forscher aus Miami aufgetaucht ist und in den Sümpfen sein Lager aufgeschlagen hat. Das Wohl der Tiere hat dieser McRibbon bestimmt nicht im Sinn. Ob er schuld daran ist, dass die Wildtiere plötzlich alle verrücktspielen?

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden: bit.ly/2MU6VdR 

Hochspannung ist die herausragende Zutat von Max Helds ‚Action-Buch‘ rund um wilde Tiere. Held hat laut Autoreninformation selbst eine ungewöhnliche Begleiterin durchs Leben, nämlich eine Vogelspinne namens Elfriede. Insbesondere jungen Filmfans dürfte die Lektüre gefallen, da die Handlung wie ein Filmstreifen vor dem inneren Auge abläuft. Bücher können mit Kino durchaus mithalten. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Plot, der externen Handlung des Romans, weniger auf den Gedankengängen der Figuren, über die wir vor allem durch deren Dialoge und Gespräche informiert werden.

Das passende Lesealter wird vom Verlag mit acht angegeben, aufgrund der recht komplexen detektivischen Handlung empfiehlt sich das Buch jedoch eher ab zehn Jahren. Mittelpunkt dieser Handlung sind die drei Hauptfiguren Logan, Jack und Charlotte im Alter von 12/13 Jahren, die sich nicht erst in ein Abenteuer begeben müssen, sondern bereits in einer abenteuerlichen, kreatürlichen Umgebung wohnen. Was den drei Identifikationsfiguren dort widerfährt, können die jugendlichen Leser*innen – aus sicherer Entfernung und doch nah am Geschehen – miterleben.

Auch wenn die Darstellung der Jungen als Ranger, also in einer Beschützerfunktion, stellenweise leicht klischeehaft anmuten mag, so werden im Ganzen kaum genderbedingte Unterschiede zwischen den drei Hauptfiguren gemacht. Vielmehr bilden sie ein Triumvirat, das für zeitgenössische Jugendbücher nicht untypisch ist (vgl. Harry Potter), wobei sich die weibliche Figur oftmals als besonders mutig oder smart erweist. Als Charlotte und Jack aus einem Transporter fliehen müssen, ist es gar Jack, der Charlotte die Brechstange zum Öffnen der Tür reicht und nicht umgekehrt (auch wenn Charlotte ihn anschließend auffordert, ihr doch mal zu helfen). Auftretende Spannungen entstehen vor allem durch Logans Eifersucht, da sein bester Freund Jack sich für das Mädchen zu interessieren scheint. Zweite wichtige weibliche Figur ist Logans Mutter, die die Rangerstation leitet – wenngleich auch ihre beschützenden Fähigkeiten von anderen Bewohnern der Gegend zwischendurch angezweifelt werden.

Das Buch wird gestalterisch bereichert durch Illustrationen von wilden Tieren in Graustufen, zum einen die plakative Python, vor deren aufgesperrtem Rachen jeweils die Kapitelnummern platziert sind, zum anderen großenteils fragmentarisch abgebildete Wildtiere. Letztere betreten gerade eine Seite, schleichen gerade aus einer heraus, oder es wird nur ein Teil gezeigt, der die Präsenz von Großem und Gefährlichem andeutet: eine Schlangenhaut, ein Fußabdruck. Ebenso enthalten der Name Wild Claws für die Rangerstation oder auch der Untertitel des Romans, Im Auge der Python, metonymische Bilder, also Teile eines Ganzen, das in jenem Teil nur als (Vor-)Ahnung sichtbar wird. Somit vermitteln die Buchseiten den Eindruck von etwas Lauerndem, von ständiger Gefahr, was extrem spannungssteigernd wirkt. Die leitmotivischen, allseits präsenten Mücken – laufend im Text erwähnt und ebenfalls als (Teil-)Abbildung vorhanden – erfüllen eine ähnliche Funktion: Mal comic relief (wie die Mücke, die von Charlotte zu Jack abbiegt), mal lästiges Zurück-Piesacken der Natur, mal Indiz (durch ihre Abwesenheit und die plötzliche Stille), erzeugen sie – auch in den Leser*innen – ein Gefühl der Anspannung sowie erhöhte Aufmerksamkeit.

Dabei sind es gar nicht die Tiere, von denen ursprünglich die Gefahr ausgeht, sondern Menschen, die diese manipulieren – und hier kommt der kritische Blickwinkel des Romans ins Spiel. Jack, Logan und Charlotte setzen sich nämlich auf der Wild-Claws-Station für den Tierschutz und den Erhalt der Everglades ein, welche von massiver Umweltzerstörung bedroht sind, wovon kurze sachliche und informative Passagen innerhalb des Romans berichten.

So sind auch die Menschen, die in den Everglades leben, gewissermaßen nur zu Gast, woran sie von den Mücken permanent erinnert werden. Hinter der ‚actionreichen‘ Handlung verbirgt sich also handfeste Kritik am Machtgehabe des Menschen gegenüber der Umwelt und dem Tier (Stichwort: Anthropozentrismus).

Der Roman ist sprachlich abwechslungsreich gestaltet, und die Handlung weist auch immer wieder kleinere Spannungsbögen auf, während die Gesamtspannung, unter anderem durch mehrere überraschende Wendungen, konstant hoch gehalten wird. Zum Weiterlesen: Der zweite Band der Reihe, Der Biss des Alligators, ist ebenfalls bereits bei Arena erschienen.

Das Buch ist sehr gut als Privatlektüre geeignet, da der weit gefasste Spannungsbogen Leser*innen teils wie von selbst durch die Handlung zu tragen vermag. Es kann aber auch im Schulunterricht lesefördernd besprochen werden – hier besonders im Medienverbund. Da die durch ‚Action‘, Dialoge und anschauliches, szenisches Beschreiben vermittelte Handlung nicht selten an eine Filmsequenz erinnert, könnte filmisches Erzählen im Unterricht thematisiert und Parallelen zwischen dem Buch und beispielsweise Tier- und Naturfilmen aufgezeigt werden. Auch die kritischen Aspekte, auf die das Buch zum Thema Tier- und Naturschutz verweist, ermöglichen eine vertiefte Diskussion der Lektüre. Da der Roman Teil einer Reihe ist, könnte die Buchlektüre auf diese Weise zum Weiterlesen anregen.

 

Empfehlenswert ist das Buch auch für die Klassen- oder sogar Schulbibliothek: Die Illustrationen locken potentielle neue Leser*innen an, die lesenden Schüler*innen über die Schulter sehen, und kann sie ins Gespräch bringen, woraus für die einen Leseanreiz und für die anderen Anschlusskommunikation entsteht.