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Buchempfehlungen

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Buchcover Jeff Kinney: Ruperts Tagebuch. Zu nett für diese Welt!

Rezension von Bartholomäus Figatowski

Bühne frei für Rupert, den besten Freund von Greg. Höchste Zeit, dass die Welt nun auch seine Sicht der Dinge erfährt. Doch sofort schaltet sich Greg ein und überredet Rupert, seine Biographie zu schreiben. Schließlich werde er eines Tages ein V.I.P. sein und die Leser werden sich um seine Lebensgeschichte reißen. Doch schon bald zeigt sich, dass Rupert beim Erzählen vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt und wirklich kein Fettnäpfchen seines Freundes auslässt. Ob Greg das wohl gefallen wird?

Zwei lustige Figuren im Doppelpack und eine einfallsreiche wie urkomische Handlung sorgen auch bei ungeübten Leser*innen ab 10 Jahren für jede Menge Lesespaß.

BuchtitelRuperts Tagebuch. Zu nett für diese Welt!
AutorJeff Kinney
GenreComic & Graphic Novel
Anti-Helden & Schelme
Lesealter10+
Umfang218
VerlagBaumhaus Verlag
ISBN978-3-8339-0601-5
Preis14,99

Es ist wohl alles andere als schön, immer im Schatten eines Freundes zu stehen. Deswegen war es doch nur eine Frage der Zeit, bis Rupert Jefferson, dem besten Freund von Greg Heffley, die Idee kam, dass er der Welt sich und seine Sicht der Dinge nun auch in Form eines Tagebuchs vorstellt. Doch sofort schaltet sich Greg ein und überredet Rupert, seine Biographie zu schreiben. Schließlich werde er eines Tages eine Berühmtheit sein und die Leser*innen werden ihm die Lebensgeschichte von Greg Heffley aus der Hand reißen.

Die Ereignisse, von denen uns Rupert nun berichtet, sind nicht immer ungefährlich: bei dem ersten Übernachtungsbesuch Ruperts bei Greg bemerken sie, dass ein mysteriöser Ziegenmann ins Haus einbrechen will, um sie aufzufressen. Erst als sie in die Waschküche fliehen, stellt sich der Vorfall als schlechter Scherz von Gregs Bruder Rodrick heraus. Doch da ist es schon passiert und Rupert hat sich vor Angst in die Hose gemacht.

Weil es Rupert sehr genau mit der Wahrheit nimmt, kommt aber auch Greg selten gut weg. Als er Rupert mal wieder auf dem Nachhauseweg ärgert, fällt er schließlich selbst in eine große Wasserpfütze und sieht dann alles andere als souverän aus. Und doch: Mag Greg Rupert auch regelmäßig an den Rand der Verzweiflung bringen, am Ende können sie sich nicht lange böse sein und bleiben doch immer beste Freunde.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden: bit.ly/2Nps7XZ

„Ruperts Tagebuch – Zu nett für diese Welt“ – So steht es im Titel des neuen Comic-Romans von Jeff Kinney. Wirklich Rupert und nicht Greg? Zweifel sind durchaus angebracht. Denn viele Leser*innen werden Rupert, ein wohlbehütetes Einzelkind und Hobby-Videospieler, nur als eher unscheinbaren Freund von Greg Heffley kennen. Sicher, Rupert ist niemand, der sich gerne ins Rampenlicht stellt. Andererseits liebt er alle die Dinge, die Greg gerne tut. Und so ist es folgerichtig, dass er nun auch ein Tagebuch schreiben will. Obwohl er sich vornimmt, es ganz dem Leben Gregs zu widmen, stehen er selbst und seine ziemlich komischen Erlebnisse mit Greg gleichermaßen im Mittelpunkt des Geschehens. Kinneys Comic-Roman erlaubt ein von den bisherigen Tagebüchern Gregs unabhängiges Lesen, sicherlich ist die Lektüre aber noch reizvoller, wenn man diese kennt. Dank der sprachlich leicht zugänglichen Erzählweise, den witzigen Zeichnungen und einer abwechslungsreichen Handlung begeistert Jeff Kinney mit „Ruperts Tagebuch“ aber auch ungeübte Leser*innen.

Rupert ist ein freundlicher und braver Junge, der sich – anders als Greg – sowohl mit seinen Eltern als auch mit den Lehrer*innen gut verträgt . Obwohl er viel Spaß mit Greg als seinem besten Freund hat, wird er oft von diesem geärgert und hin und wieder sogar ausgenutzt. Rupert ist dabei eine sehr sympathische Identifikationsfigur für die Leser*innen, denn er zeigt bewundernswerte ‚Nehmerqualitäten‘, mit denen er die schlimmsten Streiche Gregs wegsteckt. Und wenn Greg den Bogen mal überspannt, holt ihn Rupert dank seiner Cleverness schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Besonders brenzlige Situationen meistert Rupert wie andere Außenseiter auch dank der Unterstützung durch Helferfiguren wie z.B. Gregs Eltern, die mit den Gemeinheiten ihres Sohnes alles andere als einverstanden sind: Als etwa der nächtliche Besuch des Nachbargarten schiefgeht – Ruperts Juchhu-Schreie beim Trampolinspringen reißen die Nachbarn aus dem Schlaf –, will ihn Greg sogleich mit einem Kissen verprügeln. Doch wissen Gregs Eltern das zu verhindern und die Sache geht für Greg nach hinten los, als ihn sein Vater zwingt, ausgerechnet im Zimmer seines kleinen Bruders Manni zu übernachten.

Zwar ist Rupert als autobiographischer Ich-Erzähler natürlich sehr subjektiv darin, was er uns über Greg und sich selbst erzählt. Doch bemüht er sich um Genauigkeit und Detailtreue, sodass seine ‚Biographie‘ an vielen Stellen wenig rühmlich für Greg ausfällt, dafür aber um so mehr die Leser*innen erfreut. Weil Rupert Greg – allen seinen Charakterfehlern zum Trotz – mag, ist er jedoch niemals parteiisch: So berichtet Rupert von einem Vorfall in der Schule, als sich Greg lautstark mit einem Vertretungslehrer anlegt, dessen Notengebung auf dem Zufallsprinzip basiert: „Greg sagte, ich wäre der Einzige in der Klasse, der überhaupt etwas machen würde, und er wäre ein schrecklicher Lehrer, und jemand sollte ihn beim Rektor melden. Ich war ziemlich geschockt, weil Greg sich noch nie so für mich eingesetzt hatte.“ (S. 118)

Rupert ist ein lustiger Anti-Held, der die Leser*innen zur Identifikation einlädt. Und auch Kinneys Erzählweise ist mit Blick auf männliche Lesemuffel angemessen: Die erzählten Episoden werden lose aneinandergereiht, dennoch zieht sich die Freundschaftsthematik wie ein roter Faden durch die Geschichten und wird sehr unterhaltsam ausgestaltet. Hervorzuheben ist hier die variantenreiche Situationskomik – etwa bei den vielen Streichen der Jungen und mancher Verfolgungsjagd. Auch sind die Elternhäuser von Greg und Rupert und die Schule als kindergemäße Schauplätze in der Handlung wiederkehrend, wodurch der Roman trotz der vielen Einzelepisoden synthetisch wirkt. Dass der Lesespaß lange erhalten bleibt und man Kinneys Buch nicht aus der Hand legen will, liegt schließlich an den Zeichnungen. Die Innenillustrationen dienen nicht nur zur Ausschmückung der durch den Text vermittelten Inhalte, sondern ergänzen die Handlung und machen den Leser*innen sogar zusätzliche Deutungsangebote. Besonders ungeübte Leser*innen werden dank des witzigen Zeichenstils Kinneys ‚mitgenommen‘ und zum Weiterlesen beziehungsweise zum Zurückblättern – um erneut über Rupert und Greg zu lachen – motiviert.

Bei „Ruperts Tagebuch“ handelt es sich um einen sehr unterhaltsamen Comic-Roman, der selbst ausgesprochene Lesemuffel dazu einlädt, das Buch bis zum Ende zu lesen.

Wie schon bei den bisherigen Greg-Büchern von Jeff Kinney spiegelt der Roman auf der thematischen Ebene – natürlich mit den Mitteln der Komik verfremdet – Schulkindheit wider, sodass er in keiner Klassen- und Schulbibliothek fehlen sollte.

In der Grundschule und zu Beginn der Sekundarstufe I kann er zudem für eine Vielzahl von leseanimierenden Verfahren wie z.B. die Lesekiste – sicherlich auch fächerübergreifend – empfohlen werden. Selbstverständlich eignet sich der Roman auch für die Privatlektüre, zusätzliche Leseanreize entstehen außerdem, wenn die Leser*innen zuvor bereits mit den Greg-Büchern in Berührung gekommen sind.