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Buchempfehlungen

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Buchcover Annette Roeder: Bone Buddies. Echt nette Skelette

Rezension von Sebastian Tatzel

Eines Morgens stehen vor Aldos Bett plötzlich fünf lebendige Skelette, die dem Jungen helfen wollen, seinen Herzenswunsch zu erfüllen: Er will unbedingt Mitglied der bekannten Ice-Hockey-Mannschaft „Sea Lions“ werden, um vor seinem Rivalen Florim und seiner ganzen Klasse nicht wie ein Trottel dazustehen. Aber auch die untoten Helfer machen Aldo nicht über Nacht zur Sportskanone. Oder doch?

Annette Roeder erzählt eine schaurig-spaßige Geschichte von Aldo und seinen „Knochen-Kumpeln“, in der es neben temporeichem Sport, cooler Musik und netten Skeletten vor allem um eines geht: echte Freundschaft.

BuchtitelBone Buddies. Echt nette Skelette
AutorAnnette Roeder
GenreHorror & Grusel
Humor & Comedy
Lesealter10+
Umfang250
VerlagThienemann
ISBN978-3-522-18535-6
Preis13,00

Aldo sitzt ganz schön im Schlamassel! Um Ada, das einzige Mädchen, das er toll findet, und seinen Erzrivalen Florim so richtig zu beeindrucken, hat er ihnen kurzerhand erzählt, er sei der neue Spieler der bekannten Eishockey-Mannschaft „Sea Lions“. Zum angeblichen Beweis lädt er Ada, Florim und die ganze Klasse zu einem bevorstehenden Freundschaftsspiel ein. Dabei kann Aldo nicht einmal Schlittschuh laufen!

Doch Aldos kolumbianische „Zieh-Oma“ Consuelo weiß Rat, sie erzählt ihm vom Mythos der namenlosen Toten: Tote, deren Namen und Identität niemand kennt und derer deshalb nicht gedacht wird, finden nach ihrem Tod keine Erlösung, sondern wandeln weiterhin auf der Erde. Es gibt nur eine Chance, um aus diesem ewigen „Leben“ zu entkommen: ein Mensch muss sie beschwören und die Untoten müssen ihm seinen Herzenswunsch erfüllen; dadurch können sie von ihrem ewigen Leben erlöst werden. In seiner Not beschwört Aldo gleich fünf namenlose Tote, die ihm fortan nicht mehr von der Seite weichen und ihm aus seiner Notsituation helfen wollen.

Dieser Plan scheint jedoch zunächst eher aussichtlos: so buhlen die Skelette zu Beginn eher um die Aufmerksamkeit Aldos, als als Team zusammenzuarbeiten, und es fehlt ihnen zudem das nötige Geld für die passende Sportlerausrüstung.

Nach einigen erzählerischen Wendungen gelingt es Aldos Bone Buddies schließlich, dem Jungen aus seiner Notsituation zu helfen und Freunde zu werden.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden: cdn.libreka.de/sample/0d944c0c-0b3b-4d2d-a7d1-d1459a5b996c

Die schaurig-schöne Geschichte um Aldo und seine „Knochen-Kumpel“ überzeugt zunächst durch einen ansprechenden und originellen Themen- und Genremix: Unvermittelt und leicht gruselig entführt der Prolog in das Zimmer von Aldo, in dem sich plötzlich fünf unheimlich aussehende Untote tummeln. Der Gruselfaktor wird bereits von Beginn an mit einer gehörigen Prise Humor aufgelockert – die Skelette werden schnell zu sympathischen Freunden, deren „gruselige“ Besonderheiten eher für Lacher als für Gänsehaut sorgen. Neben Humor und Grusel spielen in Roeders Roman auch die Themen Sport, Musik, Freundschaft und erste Liebe eine große Rolle. Es gelingt der Autorin dabei, alle genannten Motive passend und unterhaltsam zu verbinden und somit eine Geschichte zu schreiben, die sowohl Jungen als auch Mädchen, sowohl Sport- als auch Musikfans und sowohl Witzbolde als auch Gruselfreunde gleichermaßen begeistert.

Mit Aldo zeichnet die Autorin einen Protagonisten, der viel Identifikationspotential für gleichaltrige Leser*innen bietet. Das Ausgangsproblem, die Notlüge, in die sich Aldo immer weiter verstrickt, resultiert aus dem Suchen nach Anerkennung und nach Freunden und kann von vielen Kindern sicherlich nachvollzogen werden.

Mit den fünf Untoten werden dem Jungen Helfer an die Seite gestellt, die die Handlung voranbringen, den Protagonisten innerlich wachsen lassen, zu guten Freunden werden und letztlich zeigen: Es kommt nicht auf das Äußere eines Menschen an. Jedes einzelne der netten Skelette wurde dabei von der Autorin mit humorvollen Eigenschaften ausgestattet, die die Untoten noch sympathischer und „menschlicher“ wirken lassen: So spricht der aus dem 18. Jahrhundert stammende Baron ausschließlich in Reimform, die Zirkusdiva Kristina bezirzt mit ihrer Ausstrahlung alle Männer um sie herum, die junge Punkerin Pitti hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen, der italienische Ganove Arturo will jeden Konflikt mit seinem Klappmesser lösen und der miesepetrige Karl liebt (zunächst) nur seinen Hund Schubert.

Die Handlung zeichnet sich neben der ansprechenden Genre- und Motivvielfalt auch durch mehrere Spannungsbögen und einzelne erzählerische Wendungen aus, die die Lesemotivation über die 250 Seiten hinweg aufrechterhalten. So jagt der*die Leser*in gemeinsam mit Aldo von der Beschaffung der Musikinstrumente zur Aufnahme in die Eishockey-Mannschaft, vom spannenden Eishockey-Match mitten hinein in einen Wettlauf gegen die Zeit, wenn es um die Rettung von Aldos Knochen-Kumpeln geht. Schließlich dürfte es den*die Leser*in sicherlich überraschen, dass auch Consuelo, die mit Rat und Tat zur Seite stehende Kolumbianerin, eine der namenlosen Toten ist, die zunächst heimlich versucht, Aldos Wunsch zu erfüllen und somit ihr untotes Leben hinter sich zu lassen. Es gelingt der Autorin dabei durchgehend, die Handlung sinnvoll aufzubauen und den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, sodass kein Aspekt der Erzählung erzwungen oder unpassend erscheint.

Das farbenfrohe, im Manga-Stil gehaltene Cover verweist gelungen sowohl auf die Grusel- als auch auf die Musikmotivik des Romans und spricht durch seine Gestaltung potentielle Leser*innen direkt an. Auf Illustrationen wird im Roman verzichtet, der Text ist durch seine angenehme Schriftgröße, seine kurzen Kapitel und sein an einzelnen Stellen verändertes Layout (z.B. bei der Abbildung eines SMS-Verlaufs) dennoch leserfreundlich aufgebaut.

Annette Roeders „Bone Buddies“ ist ein abwechslungsreicher Lesespaß, der durch ein breites Themenspektrum, einen sympathischen Protagonisten und durch seine „netten Skelette“ Humor- und Gruselfans gleichermaßen überzeugen wird. 

„Bone Buddies. Echt nette Skelette“ eignet sich besonders als Bestandteil von Bücherkisten oder in Klassen-/ Schulbibliotheken für die freie Lektüre im schulischen Kontext. Das im Mangastil gehaltene Cover lässt sicherlich viele Kinder zu diesem Titel greifen.

Roeders Roman eignet sich ideal zur Privatlektüre, da der Protagonist ein hohes Identifikationspotential zeigt und Themen (bspw. die Leidenschaft für Sport und Musik, das Suchen von Freunden, kindliche Rivalitäten) aus dem Alltag der Leser*innen verhandelt werden. Somit sind zusätzliche inhaltliche Erläuterungen durch Lehrkräfte oder Eltern kaum vonnöten.

Der Tod ist in Roeders Roman sehr präsent: So ist Aldos Mutter von Beruf Veräuferin von Grabschmuck, der Friedhof scheint ein beliebter Treffpunkt für Aldos Mitschüler zu sein und Florim erzählt immer wieder stolz vom Familien-Mausoleum, das sein Vater erbauen wird. Allerdings arbeitete die Autorin dieses Themenfeld nicht morbide, sondern spaßig und alltagstauglich auf. Um den Gruselfaktor zusätzlich abzumildern, lässt Roeder ihren Protagonisten Aldo die Leser*innen gleich in den ersten Sätzen des Romans vor möglicherweise schaurigen Momenten warnen:

„Manche grausen sich vor Haut auf dem Kakao oder vor dem Geruch ihrer eigenen Pupse. Wenn du zu diesen Menschen gehörst, solltest du besser ein Buch über die putzige Prinzessin Lillifee lesen. Denn das, was ich erlebt habe, ist richtig ekelig!“

Durch die dennoch überwiegend humvorvolle Begegnung mit dem Themenkomplex kann die Angst vor Friedhof und Tod genommen werden. Daher eignet sich der Roman sicherlich, um über den Umgang mit dem Tod in unserer und in anderern Kulturen reflektiert nachzudenken – dem genussvollen Lesen tut dies jedoch keinen Abbruch, da vor allem die Aspekte der Grusel- und der humorvollen Literatur im Vordergrund stehen.