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Buchcover Dav Pilkey: Dog Man. Der neue Superheld legt los

Rezension von Christina Gürth

DogMan – halb Hund, halb Polizist – ist eine verbrechensbekämpfende Sensation. Weder ein gigantischer Staubsauger, Unsichtbarkeitsspray noch rebellierende Würstchen können den neu erschaffenen Hüter des Gesetzes daran hindern, Petey, seinen ärgsten Widersacher, zu jagen. Was auch immer die verschlagene Verbrecher-Katze im Geheimlabor austüftelt, DogMan hat stets den richtigen Riecher und befördert Petey am Ende ins Katzen-Kittchen.

Dav Pilkeys schrill-bunter Comic präsentiert außergewöhnliche Charaktere und sorgt mit schrägem Humor und viel Action auch bei ungeübten Leser*innen für beste Unterhaltung.

BuchtitelDog Man. Der neue Superheld legt los
AutorDav Pilkey
GenreHumor & Comedy
Comic & Graphic Novel
Lesealter8+
Umfang231
VerlagAdrian Verlag
ISBN978-3947188550
Preis9,99

Die Jungen Harold und George finden eines Tages in ihrem Baumhaus alte DogMan-Comics, die sie, zum Leidwesen ihrer damaligen Lehrerin, während der Grundschulzeit gezeichnet haben. Spontan beschließen sie, neue Geschichten über ihren tierischen Superhelden zu erfinden. Soweit die Rahmenhandlung der Geschichte, in die vier verschiedene DogMan-Episoden eingebettet sind und als deren Autoren Harold und George im Text angegeben werden:

Ein Polizist und sein Hund werden bei der Entschärfung einer Bombe so verletzt, dass nur der Kopf des Hundes und der Körper des Polizisten gerettet werden können. Kurzerhand näht ein Arzt den Kopf des überaus schlauen Hundes auf den Körper des athletischen Polizisten: DogMan, eine „verbrechensbekämpfende Sensation“, ist erschaffen. Im Team des örtlichen Polizeichefs sorgt DogMan bald für Recht und Ordnung in der Stadt.

Dies ist zum Nachteil von Petey, der fiesen Verbrecher-Katze, welche fortan in einem Geheimlabor stets neue Dinge austüftelt, um DogMan eins auszuwischen. Unter anderem muss sich DogMan gegen einen gigantischen Staubsauger wehren, sich mit rebellierenden Würstchen auseinandersetzen oder gar dem Angriff eines Riesen-Döners trotzen.

Sogar als Petey mit der hinterlistigen Bürgermeisterin und dem bösen Dr. Abschaum gemeinsame Sache macht, um den echten Polizeichef der Stadt durch einen korrupten Roboter-Chef zu ersetzen, gelingt es DogMan, das gaunerhafte Spiel zu entlarven.

Dass DogMan stets die Oberhand behält, ändert sich erst, als Petey herausfindet, dass DogMan nur so schlau ist, weil er extrem viele Bücher liest. Das von Petey gebaute „Schlau-O-Meter“ zeigt nämlich an, dass DogMan beim Bücherlesen von Minute zu Minute klüger wird. Mit der „Wort-G-Weg 2000TM“-Maschine zappt Petey alle Bücher der Welt leer, so dass am Ende alle Bewohner der Stadt (und der ganzen Welt) so „supadumm“ werden, dass Petey selbst es kaum aushalten kann. Doch auf den Spürsinn von Superschnüffler DogMan ist Verlass, er rettet alle Bücher und Petey landet am Ende wieder im Katzen-Kittchen.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden: amzn.to/3470jhO

Abenteuer eines neuen Superhelden – das verspricht das Cover des ersten Bandes der „DogMan“-Reihe. Im Mittelpunkt von Dav Pilkeys Hardcover-Comic steht der Protagonist DogMan, ein Mischwesen aus Hund und Polizist, das durch eine eher zufällige Transplantation entstanden ist.

Insgesamt sind es die außergewöhnlich-skurrilen Figuren und die witzige Handlung - fernab realistischer Maßstäbe -, welche die zentralen Elemente des Buches bilden.

Vier actionreiche und äußerst lustige Episoden schildern DogMans Bemühungen, seinen Gegenspieler, die Verbrecher-Katze Petey, ins Katzen-Kittchen zu bringen. Die Leser*innen erleben dabei wiederkehrend mit, wie Petey gegen DogMan agiert, aber DogMan, ganz wie ein echter Superheld, am Ende triumphiert. Dabei mangelt es nie an unverhofften Wendungen und überschäumender Komik. Der besondere Humor sorgt im Verbund mit einer stellenweise sprachlich derben Ausdrucksweise in der Ziel-Altersgruppe gewiss für beste Unterhaltung.

Besonders hervorzuheben ist, dass DogMans Superkräfte vom Bücherlesen abhängen. Lesen macht schlau lautet demnach die Botschaft des 3. Kapitels, ganz im Sinne des Comic-Autors Pilkey, der es auf seiner Homepage nochmals ausdrücklich formuliert: „Reading Gives You Superpowers“ (vgl. Pilkeys Homepage: pilkey.com/book-series [Abruf: 14.09.19]).

Es bleibt aber nicht bei diesem originell-unaufdringlichen und unterhaltsamen Plädoyer für das Lesen, sondern der Text beschäftigt sich auch explizit mit der Produktion von Comic-Literatur. Auf der Ebene der Rahmenhandlung wird die fiktive Entstehungsgeschichte der „DogMan“-Comics erzählt, in der die kreativen Jungen Harold und George als Erfinder der „DogMan“-Texte auftreten und ihr künstlerisches Schaffen gegen alle Widerstände durchsetzen. Darüber hinaus regt der Text auch interaktiv die realen Leser*innen zum kreativen Umgang mit Comics an, indem z.B. am Ende des Buches recht ausführliche Anleitungen zum Nachzeichnen der Hauptfiguren gegeben werden.

Einen besonderen Hinweis verdienen auch die in den Text integrierten „Flip-O-Ramas“, dabei handelt es sich um eine Art Kurz-Daumenkino. Diese interaktiven Elemente fordern die Leser*innen mittels einer kleinen Anleitung dazu auf, ausgewählte Abbildungen durch Bewegungen und Geräusche ‚zum Leben zu erwecken‘.

Die Handlung in den DogMan-Kapiteln wird jeweils chronologisch erzählt und ist dem Rezeptionsvermögen der Altersgruppe 8+ absolut angemessen. Die Einbettung der DogMan-Episoden in die Rahmenerzählung über die Comic-Erfinder Harold und George ist hingegen anspruchsvoller. Für die exakte Bestimmung des Verhältnisses von Rahmen- und Binnenhandlung muss ein komplexeres Textverständnis vorausgesetzt werden. Dies gilt auch für die in den Comic eingefügten Briefe, in denen sich die Grundschullehrerin von Harold und George in einem völlig überspitzen Tonfall über die Comicproduktion der Jungen beschwert. Die Briefe sind sprachlich, auch im Hinblick auf Wortschatz und Druckbild, schwerer zu verstehen und daher eher als erheiternde Zugabe für ältere (Mit-)Leser*innen geeignet.

Für das allgemeine Textverständnis ist es aber nicht wichtig, ob diese Feinheiten im Detail nachvollzogen werden können, denn die Lesefreude an den humorig-actionreichen DogMan-Kapiteln wird in keinster Weise eingeschränkt.

Für die jungen Lesenden ist vielmehr die einfache Lesbarkeit des Textes entscheidend.

Die sprachlich generell recht einfache Gestaltung kommt den unerfahrenen Lesenden sehr entgegen und ist gekennzeichnet durch eine einfache Syntax und einen Wortschatz, der sowohl das Niveau als auch den Humor der Altersgruppe trifft.

Fast durchgängig gibt es sehr wenig Text auf den Seiten, was dazu beiträgt, dass auch ungeübte Leser*innen zügig durch die immerhin 231 Seiten kommen. Die Schriftgröße ist angenehm lesbar und scheint einer eher kindlichen Handschrift nachempfunden zu sein. So wird auch formal Bezug auf die Rahmenerzählung des Comic genommen, in der zwei Kinder als die Schöpfer der „DogMan“-Geschichten ausgewiesen werden.

Als lesefreundlich erweist sich auch der formale Aufbau des Comics. Die Seiten umfassen jeweils höchstens sechs gerahmte Panels (Einzelbilder), die sehr übersichtlich angeordnet sind. Der Großteil der Panels ist auffällig coloriert und ist ausgezeichnet auf den reduzierten, teilweise kindlich anmutenden Zeichenstil abgestimmt.

Dav Pilkeys „DogMan“-Comic überzeugt auf ganzer Linie mit schrägem Humor, skurrilen Figuren und einer actionreichen Handlung. Die recht einfache Lesbarkeit des Textes, gepaart mit temporeicher Erzählweise und einer hohen Gag-Dichte, ermöglicht auch ungeübten Leser*innen einen niedrigschwelligen Zugang zum Buch. Durch seinen besonderen Humor verspricht der Comic aber auch erfahreneren Leser*innen der Altersgruppe einen besonderen Lesegenuss und bietet darüber hinaus zahlreiche Anlässe für die kreative Auseinandersetzung mit dem Medium Comic.

Neben der privaten Lektüre kann der „DogMan“-Comic in offenen Leseförderformaten (z.B. in Lesekisten) eingesetzt werden und sollte in den Bestand von Grundschulbüchereien aufgenommen werden. Da „DogMan“ als Buch-Reihe angelegt ist, animieren die Folgebände zum Weiterlesen.

Mittels der in das Buch integrierten Anregungen zum Zeichnen können junge Leser*innen das Medium Comic entdecken und an Comic-Produktionstechniken herangeführt werden. Durch die serielle Anlage regt der Text außerdem dazu an, eigene DogMan-Petey-Abenteuer zu entwerfen. Comic-Workshops in der Nachmittagsbetreuung im Ganztag der Grundschule oder in Büchereien könnten dafür ein geeigneter Rahmen sein.

Die englischsprachige Homepage des Autors Dav Pilkey bietet neben Buchtrailern auch den Zugriff auf vielfältige Bastel- und Zeichenvorlagen zur „DogMan“-Reihe und weiteren Comic-Titeln des Autors (https://pilkey.com [Abruf: 24.09.2019]).

Für den Bereich der Leseförderung ist das dritte Kapitel des ersten „DogMan“-Bandes ein besonderes Highlight. Denn ein Buch, welches das Bücherlesen in einer Episode so überaus positiv darstellt – und zwar auf eine auch für die Zielgruppe ganz originelle und unterhaltsame Weise - ist eine echte Rarität. Im Zusammenhang mit dem vom Autor geäußerten Credo „Reading Gives You Superpowers“ (vgl. Pilkeys Homepage: pilkey.com/book-series [Abruf: 14.09.19]), wundert es nicht, dass „DogMan“ auf dem amerikanischen Markt im Kontext der Jungen-Leseförderung inzwischen als feste Größe gilt.

Als Spin-Off der erfolgreichen Comic-Serie „Captain Underpants“ wird „DogMan“ bereits umfassend vermarktet und erobert sich zunehmend einen festen Platz im Medienverbund, bisher allerdings nur auf dem englischprachigen Markt (vgl. pilkey.com/book-series [Abruf: 14.09.19]).