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Buchempfehlungen

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Buchcover Andrea Lienesch: Elfenalarm

Rezension von Stefanie Boor

Der große Bruder bringt alles in Ordnung! Doch der elfjährige Till versteht die Welt nicht mehr, als er in das Zimmer seiner nervigen Schwester Sofie kommt: Da sitzen rund 50 winzige, hutzelige Männchen und behaupten, sie seien Elfen. Die grollende Sippe musste aus ihrem Zuhause, einer 300 Jahre alten Eiche, fliehen. Nun brauchen sie einen neuen magischen Elfenbaum, um vor den Menschen unbemerkt leben zu können. Sofie ist hilflos und den Tränen nahe. Die Forderung der Elfen: Der große Bruder soll helfen. Till hat eigentlich coolere Pläne für seine Sommerferien. Aber da selbst Darth Vader seiner kleinen Schwester keinen Wunsch abschlagen kann und seine vielbeschäftigten Eltern ihm stets die Schuld geben, wenn Sofie losheult, startet er eine unglaubliche, geheime Rettungsaktion. Ob es den Geschwistern gelingt, die Elfen-Invasion wieder los zu werden?

BuchtitelElfenalarm
AutorAndrea Lienesch
GenreFantasy
Abenteuer
Lesealter8+
Umfang97
VerlagFabulus Verlag
ISBN978-3-944788-68-5
Preis13,00

Der elfjährige Till wird von seiner kleinen Schwester Sofie um Hilfe gebeten: Ihr Zimmer sei von einer Horde Elfen besetzt und die müssten weg. Till als großer Bruder soll alles in Ordnung bringen. So hatte er sich seine Sommerferien nicht vorgestellt! Immer muss er sich um die nervige Sofie kümmern. Und warum gerade niedliche Elfen und keine schrägen Aliens? Als Till das Kinderzimmer betritt, traut er seinen Augen kaum. Diese Wesen sind winzige hutzelige Männchen und übel gelaunt dazu. Kein Wunder, denn sie wurden aus ihrem Zuhause, einer 300 Jahre alten Eiche, vertrieben und suchen nun einen neuen magischen Baum als Wohnsitz, um dort vor den Menschen versteckt zu leben.

Till erklärt sich nach dem ersten Schreck bereit, Sofie und der Elfensippe zu helfen. Gar nicht so einfach, denn in der Stadt werden immer mehr Bäume gefällt und so einen besonderen Baum zu finden ist ziemlich mühsam. Und wohin solange mit den Elfen?

So startet ein Abenteuer, das ihm wohl niemand glauben wird, daher eher peinlich ist und unbedingt geheim bleiben muss. Eigentlich jammerschade, denn unterwegs begegnen den Geschwistern gruselige Gnome, eine geheime Bibliothek und ein gefährlicher Tunnel mit noch gefährlicheren Türen. Immer stärker wächst schließlich die nachhaltige Bedeutung der Bäume im Lauf der Geschichte. Für einen geplanten Supermarkt sollen jede Menge davon gefällt werden. Till und Sofie setzen sich engagiert für ihren Erhalt ein. Und dann ist da noch die Bürgermeisterin, diese Hexe… Till verliert weder seinen Kopf noch seine schlagfertigen Sprüche. Ob alles gut geht?

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden: fabulus-verlag.de/media/pdf/e0/53/23/Elfenalarm_Leseprobe.pdf

Die Abenteuer-Erzählung mit fantastischen Elementen ist auf 97 Seiten aus der Sicht des Protagonisten Till flott erzählt. Gleich im ersten Absatz wendet er sich direkt an die Leser*innen und erklärt, dass er zwar ein richtiges Abenteuer erlebt habe, es aber niemandem erzählen könne, weil das viel zu peinlich sei. Denn jeder würde bei Elfen sofort an rosa Kleidchen und silberne Zauberstäbe denken. Völlig falsch! Und damit geht es im ersten Kapitel „Kinderkram“ auch gleich los.

Es folgen 22 weitere, teils nur zweiseitige Kapitel, die mit prägnanten Überschriften im Inhaltsverzeichnis angekündigt werden. Till kommentiert die Geschehnisse entweder indirekt durch seine Gedanken – oder sorgt mit trockenen Sprüchen direkt für viel Humor. Sofie, noch Kindergartenkind, verhaspelt schon mal die Wörter („unmögisch“ statt unmöglich), weiß aber nur zu gut, wie sie ihren großen Bruder um den Finger wickelt. Die Eltern erwarten zudem, dass sich Till um die kleine Schwester kümmert. Wehe, sie heult los, das gibt Ärger. Und so gibt er schnell nach und lässt sich von seiner Schwester in das Abenteuer mit hineinziehen. Kaum hat er die Anwesenheit der Elfengruppe in Sofies Zimmer verkraftet, motzen die auch gleich los. Die ersehnten Sommerferien entwickeln sich zum Albtraum.

Dennoch gelingt es Till, dass alle – Sofie und Elfensippe – auf sein Kommando hören. „Der große Bruder bringt alles in Ordnung!“ entwickelt sich regelrecht zum Schlachtruf. Der Elfjährige wächst im Laufe der Geschichte über sich hinaus und schafft es dabei, seine Welt mit anderen Augen zu sehen. So lernt er zunächst, dass der alte Herr Knöterich, der die merkwürdige kleine Buchhandlung in der Stadt geführt hat und nun in einem Seniorenheim lebt, eigentlich ein Büchergnom ist. Er hütet seit über 300 Jahren das geheime Buch, in dem alle Elfenbäume verzeichnet sind. Und nur mit diesem Buch kann die Sippe ein neues Zuhause finden. Gruseliger als Gnome, Trolle und Elfen zusammen wirkt schließlich jedoch die Bürgermeisterin, die aus politischem Ehrgeiz eine Gruppe Bäume fällen lassen will, um an dieser Stelle ein modernes Einkaufszentrum errichten zu lassen. Die Zusammenhänge zwischen (macht)politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten werden in dieser Figur eindringlich vorgestellt. Was für ein Glück, dass die Mutter von Till und Sofie im Rathaus arbeitet und ihren Kindern zu einer kleinen Audienz bei dieser Frau Schrillermann verhilft – schließlich ist einer der Bäume der letzte für die Elfen erreichbare magische Baum. Aber der Plan der Kinder, mit politischem Engagement sowie ökologischen Argumenten das Fällen zu verhindern, scheitert (zunächst) an der fiesen Bürgermeisterin. Eine echte Hexe. Die Mutter ist jedoch beeindruckt und macht deutlich, dass auch „kleine Menschen“ in der „großen Politik“ etwas anstoßen oder gar bewegen können.

In der Geschichte muss ein neuer Plan her – und diesmal wachsen auch noch Gormli, der Sohn des Oberelfen, und Sofie mit fantastischem Mut und starken Ideen über sich hinaus. Am Ende steht ein Umzug an. Und der ist ebenso knackig kurz gefasst wie die gesamte Geschichte. Aber nicht vergessen: ELFEN – ausgerechnet, das bleibt unter uns!

Das Buch ist ideal, um Kinder an eine fantastische Geschichte heranzuführen und um für ein spannend-lustiges Leseerlebnis zu sorgen. Die wunderbar kurz gehaltenen Kapitel sorgen für Motivation, indem sie den Leser*innen das Gefühl geben, diesen Umfang bewältigen zu können. Der Zeilenabstand ist auch für ungeübtere Leser*innen groß genug, die Buchstabengröße sowie den Abstand zwischen den Buchstaben könnte man sich für diese Zielgruppe noch größer wünschen. Zudem fehlen Illustrationen oder Vignetten. Alles in allem wirkt der Text dennoch nicht schwer.

Der flotte Schreibstil, der zum Ich-Erzähler hervorragend passt, lässt den Text flüssig lesen und macht einfach Spaß. In das Abenteuer regelrecht abzutauchen gelingt leicht. Der 97 Seiten starke Titel schreckt gar nicht erst als dicker Wälzer ab. Das Cover wirkt eventuell erst auf den zweiten Blick, da Titel und Illustration zunächst eine Diskrepanz erzeugen. Sieht ein(e) Elf(e) so aus? Der Wort-Titel und die Farbgebung in Rot passen durchaus und erzeugen trotzdem vielleicht andere Bilder im Kopf. Mit Blick darauf besteht durchaus das Risiko, dass Jungen nicht zugreifen. Die Verlagsmitarbeiter haben intern lang diskutiert, ob die Farbe Grün Jungen als Leser eher anspricht. Ein Farbwechsel bei der nächsten Auflage ist nicht auszuschließen…

Ein Buch, das junge Leser*innen vor allem neugierig machen wird, wenn man es „verpackt“ vorstellt, etwa für ein Bücher Casting, und so in die Geschichte einführt. Daneben bietet sich das Buch zum Vorlesen in der Klasse an. Es muss auch nicht im Unterricht besprochen werden, sondern kann für offene Formate (stille Lesezeiten) oder zur Leseanimation genutzt werden. Die Geschichte mit Humor sorgt für großen Lesespaß und ermöglicht das Abtauchen in eine andere Welt. Hier kann der Lesegenuss im Vordergrund stehen. Eine wunderbare Entspannungsmethode für abwechslungsreichen Unterricht inklusive Kopfkino-Förderung.

Gleichzeitig bieten sich Schreibanlässe an: Die vielen fantastischen Beschreibungen könnten für eine Buch-Empfehlung von Schülern*innen für Schüler*innen (Leseplakat, Steckbrief) herangezogen werden. Listen mit Maßnahmen zum Umweltschutz, Müllvermeidung oder zu Ideen mit eigenen kleinen Nachhaltigkeitsprojekten können formuliert und diskutiert werden.

Letztlich kann das Buch so als Gesprächsanlass für Themen im Sachunterricht genutzt werden.