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Buchcover Gerd Ruebenstrunk: Der letzte Zauberlehrling

Rezension von Eva Maus

Im 19 Jahrhundert wird der junge Zauberlehrling Humbert von seinem Meister, einem einfachen Dorfzauberer, nach Paris geschickt, um seine Ausbildung fortzuführen. Dort angekommen muss er sich nicht nur an die belebte Großstadt gewöhnen, sondern auch erkennen, dass es scheinbar keine bedeutenden Zauberer mehr gibt. Der Geschäftsmann Pompignac hat alle Zaubersprüche aufgekauft...

BuchtitelDer letzte Zauberlehrling
AutorGerd Ruebenstrunk
GenreFantasy
Lesealter12+
Umfang448 Seiten
Edition1
VerlagBloomoon, ars edition
ISBN978-3760786797
Preis16,99 €

Im 19 Jahrhundert wird der junge Zauberlehrling Humbert von seinem Meister, einem einfachen Dorfzauberer, nach Paris geschickt, um seine Ausbildung fortzuführen. Dort angekommen muss er sich nicht nur an die belebte Großstadt gewöhnen, sondern auch erkennen, dass es scheinbar keine bedeutenden Zauberer mehr gibt. Der Geschäftsmann Pompignac hat alle Zaubersprüche aufgekauft.

Doch Humbert findet schließlich in dem alten und alkoholabhängigen Prometheus einen letzten Zauberer erster Klasse, der ihn als Lehrling aufnimmt. Er richtet sich in seinem neuen Leben ein und will lange nicht wahrhaben, dass um ihn herum bedrohliche Dinge geschehen: Die Sicherheitspolizei wird präsenter und gewalttätiger. Pompignac wird mächtiger und plant mit der Regierung einen Überzauber, der die ganze Welt gefährdet. Auch wenn Humbert sich in die Politik nicht einmischen will, muss er bald entscheiden, ob er seine Freunde und seinen Meister beim gefährlichen Widerstand gegen Pompignac unterstützt oder Paris verlässt.

Ich legte das schreiben auf den Tisch. „Was hat das zu bedeuten?“
„Man verbietet mir das Zaubern“, sagte Prometheus. „Ich hätte es mir denken können. Pompignac duldet keine Konkurrenz.“
„Aber dürfen sie das denn einfach so machen?“
„Nun, das Gesetz scheint auf ihrer Seite zu stehen, wie du siehst. Aber das ist unerheblich. Was Pompignac will, das setzt er auch durch. Und wenn es dafür keine gesetzlichen Grundlagen gibt, dann sorgt er dafür, dass sie geschaffen werden.“
„Heißt das, Sie halten sich an das Verbot?“
Es dauerte eine Weile, bis er antwortete, und seine Stimme klang schneidend. „Du bist ein noch größerer Dummkopf, als ich angenommen habe. Ob ich mich an die Verordnung halte oder nicht, ist unerheblich. Es gibt nur einen Weg, wie sie sicherstellen können, dass ich nicht mehr zaubere.“
„Sie meinen… man wird Sie verhaften?“
„Natürlich wird man das. Die Frage ist nur, wann.“
„Aber ist das legal?“
„Was schert das die Regierung? Sie werden schon einen Weg finden. Denunzianten gibt es überall.“
Ich hatte auf einmal wackelige Knie und ließ mich auf einen Stuhl sinken. Wenn das, was Prometheus vermutete, stimmte, dann würde ich bald auch diese Bleibe verlieren. Denn wie sollten Samira, Lothar und ich ohne ihn überleben? Falls man uns nicht auch gleich festnahm. Aber vielleicht sah der Alte das ja auch zu pessimistisch.
Er richtete sich mit einer Entschiedenheit auf, die mich an ihm überraschte. „Es bleibt nur ein Weg“, sagte er. „Wir müssen ihnen zuvorkommen und untertauchen.“
Ich glaubte, mich verhört zu haben. „Untertauchen? Aber warum denn? Wenn Sie diese Erklärung unterschreiben, dann wird man Sie doch bestimmt in Ruhe lassen.“
„Pah!“ rief er und stieß mich zurück. „Du hast doch nur Angst um deinen Ausbildungsplatz! Ein schöner Zauberlehrling bist du! Lässt deinen Meister und deine Freunde in der Stunde der Not allein!“
„Aber das ist nicht wahr!“ protestierte ich. „Wir sollten nur nicht übereilt handeln!“
„Wir haben bereits viel zu lange gewartet“, rief Prometheus.

Der Leser lernt Humbert in seiner idyllischen Heimat kennen und erlebt mit ihm den plötzlichen Aufbruch in die unbekannte Großstadt. Dabei wirkt die Welt in Der letzte Zauberlehrling auf den ersten Blick eher historisch als fantastisch: Das beschriebene Paris ähnelt dem des 19.Jahrhunderts. Die Metro ist in Planung und selbst die Zauberer sind den Gesetzen der Marktwirtschaft unterworfen.
Humbert trifft als unbedarftes ‚Landei‘ in der Großstadt ein und findet sich nur mit Hilfe seiner Zugbekanntschaft Agnetha und seines anfänglichen Mentors Papillon zurecht. Von seinem neuen Lehrmeister wird er in die Zauberei eingeführt, die als wissenschaftlich und logisch erklärbar dargestellt wird. Zudem lernt Humbert das rätselhafte Werhörnchen Lothar kennen, dessen Motive und Ziele zunächst unklar bleiben. Da Humberts Perspektive in einigen Kapiteln durch Lothars abgelöst wird, ist dem Leser jedoch bald bekannt, dass das Werhörnchen ein egoistischer Dämon mit zweifelhaften Interessen ist.

Damit beginnt die Geschichte zwar fantasievoll, der eigentliche Spannungsbogen, setzt aber erst in der Mitte des Buches ein: Humberts Meister und seine Freunde beschließen, sich Pompignac entgegenzustellen und seinen gefährlichen Überzauber zu verhindern. Humbert distanziert sich zunächst von diesem Vorhaben und reist zurück aufs Land. Seine anhaltende Passivität und fehlende Tatkraft wirkt auf den Leser dabei zunehmend unsympathisch. Als er erkennen muss, dass auch sein Heimatdorf von Pompignacs Aktivitäten betroffen ist, schließt sich Humbert jedoch dem Widerstand an und die eigentliche Heldenreise beginnt. Gemeinsam mit seinen Freunden versucht Humbert Pompignac zu stoppen – verfolgt von der brutalen Sicherheitspolizei. Aus dem ‚Landei‘ wird der Anführer einer kleinen Gruppe von Rebellen, die die Welt retten will. Als der Kampf gewonnen ist, kann Humbert mit neuen Freunden und wertvollem Wissen aufs Land zurückkehren. Das Ende des Buches legt allerdings nahe, dass ein zweiter Band folgen könnte.

Ruebenstrunk erzählt die Geschichte in einem nüchternen und sachlichen Ton, der das Eintauchen in seine Welt zwar erschwert, aber eine Abwechslung vom pathetischen Stil vieler Fantasy-Titel bietet. Das könnte besonders für Jungen attraktiv sein. Die einfache Sprache, die unkomplizierte Handlung und die übersichtlichen Kapitel kommen ungeübteren Lesern entgegen. Auffallend ansprechend ist das Cover gestaltet.
Der letzte Zauberlehrling stellt eine gelungene Bereicherung des Angebots fantastischer Jugendliteratur dar, verlangt dem Leser aber einen etwas längeren Leseatem ab, um sich in die Geschichte einzufinden.

Der letzte Zauberer bietet trotz seiner fantastischen Elemente Möglichkeiten, an Themen der realen Welt anzuschließen. Im Kontext der aufgekauften Zaubersprüche lässt sich eine Diskussion über Wirtschaftsfragen wie zum Beispiel die Gefahr von Monopolen anregen. Die Methoden der Geheimpolizei in Ruebenstrunks Paris erinnern zudem stark an Vorgehensweisen der Nationalsozialisten. Auch hier könnten Verbindungen gezogen werden. Durch die ungewöhnliche Kombination von recht sachlicher Sprache und fantastischer Abenteuergeschichte könnte Der letzte Zauberlehrling zudem für die Leseförderung von Jungen besonders wertvoll sein.