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Buchcover Davide Morosinotto: Verloren in Eis und Schnee. Die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow

Rezension von Sandra Flatscher

„Trennt euch niemals!“, geben die Eltern den Zwillingen Viktor und Nadja mit auf den Weg, als die Kinder  1941 vor dem deutschen Angriff aus Leningrad evakuiert werden. Doch von Anfang an geht alles schief, und Viktor versucht verzweifelt, seine Schwester wiederzufinden – über eine Entfernung von 2000 Kilometern, im russischen Winter und der vorrückenden Front entgegen. Eine todesmutige Fahrt beginnt!

BuchtitelVerloren in Eis und Schnee. Die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow
AutorDavide Morosinotto (mit Illustrationen von Paolo Domeniconi und Simone Tso)
GenreHistorische Romane
Lesealter12+
Umfang440
Edition1. Auflage
VerlagThienemann
ISBN978-3-522-20251-0
Preis18,00

Juli 1941. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion werden die Kinder aus Leningrad evakuiert, darunter auch die dreizehnjährigen Zwillinge Viktor und Nadja. Ihre Eltern geben ihnen zwei Aufträge mit auf den Weg: Trennt euch niemals! Und schreibt alles auf, was ihr erlebt! Doch schon am Bahnhof in Leningrad geht alles schief. Nadja und Viktor werden in verschiedene Züge gesteckt. Viktors Zug erreicht wie vorgesehen Kasan an der Wolga, doch Nadjas Zug bleibt wochenlang in der Region um Leningrad und brennt schließlich unter mysteriösen Bedingungen aus. Die Insassen werden in ein Dorf am Ladoga-See gebracht, wo sie bald von der Front überrannt werden. Nadja kann mit einigen Freunden auf eine Festungsinsel im Ladoga-See fliehen. Unterdessen versucht Viktor, ebenfalls mit Freunden, unter allen Umständen zu seiner Schwester zu kommen; eine schier unglaubliche Fahrt von 2000 Kilometern, erschwert durch die restriktiven Lebensumstände in der Sowjetunion, den einsetzenden Winter und die näher rückende Front. Doch er gibt niemals auf. Mit letzten Kräften erreicht er schließlich über den zugefrorenen See die Festungsinsel und ist endlich wieder mit Nadja vereint. Fast nebenbei schafft er es dadurch, eine Lücke im Belagerungsring rund um Leningrad zu finden und der eingeschlossenen Stadt neue Hoffnung zu schenken.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden. 

Schon mit seinem Kinderbuch „Die Mississippi-Bande“ hat Davide Morosinotto unter Beweis gestellt, dass er packend schreiben kann. Daran knüpft er mit „Verloren in Eis und Schnee“ nahtlos an.

Basierend auf historischen Tatsachen erzählt er darin anschaulich und lebendig, wie Kinder in der Sowjetunion (exemplarisch dargestellt an den Zwillingen Viktor und Nadja) den deutschen Überfall im Juni 1941 auf ihr Land erlebt haben und wie sich in der Folge ihr Leben auf den Kopf gestellt hat. Er erzählt von den Monaten Juli bis November 1941, von den Grausamkeiten des Krieges, von den furchtbaren Strapazen des russischen Winters und von den oft nicht minder furchtbaren Lebensbedingungen im diktatorischen System der Sowjetunion. Viktor und Nadja werden getrennt, hungern, frieren, versuchen, ihren Freunden zu helfen, und können doch nicht verhindern, dass einige von ihnen sterben. 

Trotzdem bleiben Nadja und Viktor immer überzeugte Jungpioniere, d.h. sie stellen niemals das kommunistische System in Frage, obwohl dieses System ihnen sehr oft feindselig gegenübersteht (daher auch der rote Stern auf dem Cover bzw. der Originaltitel „due stelle rosse“). Durch diesen Kunstgriff gelingt es Morosinotto umso besser, auch jugendlichen Lesern die Diskrepanz zwischen offiziellem Anspruch und der oft menschenverachtenden Realität in der Sowjetunion begreiflich zu machen. 

Dem Leser gelingt es sehr leicht, sich mit den beiden Hauptpersonen zu identifizieren, denn die beiden sind tatkräftige, entscheidungsfreudige Charaktere, die, ohne zu zögern, für sich und ihre Freunde Verantwortung übernehmen, nie den Mut verlieren und so die Handlung vorantreiben. Dazu trägt auch ganz wesentlich die außergewöhnlich aufwändige Gestaltung des Buches bei, denn die Zwillinge schildern ihre Erlebnisse in fiktiven Tagebüchern, sowohl abwechselnd als auch zusammen: Nadja und Viktor schreiben in verschiedenen Farben, es gibt Fotos, Landkarten und andere Ergänzungen wie in einem echten „Tagebuch“.

Zu den Erlebnissen der Zwillinge gibt es eine Rahmenhandlung: Ein sowjetischer Oberst muss fünf Jahre später beurteilen, ob die Zwillinge sich aufgrund ihrer damaligen Handlungen vor dem sowjetischen Gesetz strafbar gemacht haben. Dieser Oberst versieht das Tagebuch mit einem einleitenden Kommentar, immer wieder mit Anmerkungen am Text und am Ende mit einem Abschlussbericht – auch dies ist graphisch wunderschön und detailliert gestaltet. Durch diesen Abschlussbericht erfährt der Leser, wie es nach dem November 1941 im Leben der Zwillinge weiterging.

Ein wunderbares, packendes, mitunter trauriges und dennoch immer Mut machendes Buch, das den Zweiten Weltkrieg aus einer ungewöhnlichen Perspektive darstellt und alle geschichtsinteressierten Leser mit neuen Einblicken versorgt. Für alle anderen ist es eine extrem spannende und mitreißende Abenteuergeschichte!

„Verloren in Eis und Schnee“ ist aus der Sicht zweier Dreizehnjähriger geschrieben und sprachlich sehr authentisch. Die Kapitel (d.h. die einzelnen „Tagebucheinträge“) sind nicht übermäßig lang und zudem aufwändig illustriert, sodass dieses Buch auch ungeübteren Lesern zu empfehlen ist. Aus diesem Grund eignet es sich für den Einsatz in Schul- oder Klassenbibliotheken ebenso wie für themenspezifische Bücherkisten oder auch Buchpräsentationen.

Da es mit Viktor und Nadja sowohl für Jungen als auch für Mädchen geeignete Identifikationsfiguren bietet, kann das Buch ganz hervorragend auch als Klassenlektüre gewählt werden; geeignet wäre es etwa auch für einen fächerübergreifenden Unterricht zum Thema „Zweiter Weltkrieg“.