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Buchempfehlungen

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Buchcover Arno Strobel: Spy - Highspeed London

Rezension von Matthias Jakubanis

Wer glaubt, dass Vergnügungsparks nur für Freizeitspaß erfunden sind, der irrt: Denn nicht ganz zufällig stößt der 13-jährige Nick auf eine geheime Agentenschule unterhalb eines als Tarnung genutzten Rummelplatzes. Er erfährt die wahren Hintergründe für das Verschwinden seines Vaters und beschließt, Geheimagent zu werden. Mithilfe von ungeahnten Fähigkeiten und seiner manchmal allzu besserwisserischen KI „Bruno“ macht sich Nick auf die Suche nach seinem Vater. Ein spannender, abwechslungsreicher und zugleich witziger Agententhriller.

BuchtitelSpy - Highspeed London
AutorArno Strobel
GenreKrimi & Thrill
Lesealter12+
Umfang301
Edition1. Auflage
VerlagLoewe
ISBN978 – 3- 7855-8841-3
Preis9,95

Völlig unverhofft gerät Dominik Nader in eine geheime BND-Eliteeinrichtung unterhalb eines Berliner Rummels. Er wird dazu ermutigt, diese verborgene Nachwuchsschule des BND zu besuchen, um eine Ausbildungzum Geheimagenten zu absolvieren und damit in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, welcher spurlos verschwunden ist.

Dort wird Nick nicht nur in allen Bereichen der Spionage ausgebildet, sondern auch  mit modernster implantierter Künstlicher Intelligenz ausgestattet. Als Nick Jahre später bei seiner Zwischenprüfung  einen Hinweis auf seinen Vater erhält, begibt er sich auf die Spurensuche nach London, wo er nicht nur in die Machenschaften einer weltweit agierenden Organisation von Victor Drago gerät, sondern auch seine besondere übernatürliche Gabe perfektioniert, die Umwelt zeitversetzt wahrzunehmen. So muss der jugendliche Spion auch schnell entdecken, dass ein vermeintlich väterlicher Freund den Gegenspieler Drago unterstützt und plant, mittels eines Elements aus den  englischen Kronjuwelen einen Satelliten ins All zu schicken, um so die Weltordnung zu dominieren. Gemeinsam mit seiner Spionageschulfreundin Carol und Agenten des MI6 gelingt es Nick schließlich, die Kronjuwelen zu schützen, ohne jedoch den mysteriösen Victor Drago enttarnen zu können. 

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden. 

Dass Arno Strobel erfolgreich Psychothriller für Erwachsene verfassen kann, beweist die Spiegel-Bestsellerliste. Mit „Spy – Highspeed London“ stellt er unter Beweis, dass ihm auch spannende Agententhriller für Jugendliche gelingen. So gehört es zu den besonderen Stärken dieses Romans, keine bloße Fortführung eines „James Bond“ zu sein, sondern auf spannende und insbesondere humorvolle Weise die Entwicklung des jugendlichen Spions Dominik Nader (Nick) innovativ zu zeichnen. 

Bereits unmittelbar auf den ersten Seiten verliert sich nicht nur der junge Held unversehens in einer unterirdischen Nachwuchsschule zur Spionageausbildung, sondern auch die/der Leser/in wird gedanklich in eine geheimnisvoll futuristisch anmutende Welt entführt. Hochgeschwindigkeitszüge im Untergrund von Berlin, weitentwickelte Künstliche Intelligenz (KI) und übernatürliche Superhelden-Fähigkeiten des Protagonisten, der in Gefahrensituationen seine Umwelt zeitverzögert wahrnehmen kann, sind nicht nur für männliche Leser spannende Erzählelemente. In völliger Isolation von seiner bekannten Umwelt und ohne eine Familie, begibt sich der Protagonist auf die Suche nach seinem verschollenen Vater und lernt sich sowie seine ererbten übernatürlichen Fähigkeiten umso besser kennen. Er erfährt die typischen Herausforderungen, die vermutlich auch die adoleszenten Leser/innen erfahren: Schwierigkeiten in der (Spionage-)Schule, die Auseinandersetzung mit bedeutsamen biografischen Entscheidungen, herbe Enttäuschungen durch Erwachsene und innige (freundschaftliche) Beziehungen. 

Die besondere Qualität von Strobels Roman besteht darin, dieses vermeintlich pädagogische Programm nur implizit zu verhandeln, denn an der Textoberfläche besticht „Spy“ genreangemessen durch ein sehr hohes Erzähltempo, prägnante Kapitel angemessenen Umfangs und spannende cliff hanger, die zum Weiterlesen verleiten. Hierbei kommen Humor und subtile englische Ironie durch die KI „Bruno“ nicht zu kurz, die als implantierter Chip in Nicks Arm das Figurenhandeln kommentiert und als „deus ex machina“ den Plot stellenweise geschickt vorantreibt. Mit den ironischen Interventionen dieses Computerimplantats und der Funktion, „Bruno“ nach Wunsch nicht nur um Hilfe bitten, sondern auch abschalten zu können, stellt die KI womöglich eine Wunschvorstellung mancher/n jugendliche/n Lesers/in bezüglich der realen Erwachsenenwelt dar. 

Angesichts dieses sehr positiven Gesamteindrucks bleibt die ungelöste Suche nach Nicks Vater sowie die ausgebliebene Festnahme von dessen Gegenspieler Mister Drago verkraftbar und lädt dazu ein, sich im bereits angekündigten Folgeband auf die weitere Suche an der Seite von Nick Nader zu begeben.

„Spy“ eignet sich hervorragend für Buchvorstellungen und produktionsorientierte Ansätze (z. B. Booktrailer) zur Leseförderung. Auf Grund der seriellen Anlage des Romans ermöglicht das offene Ende des ersten Bandes weitere produktionsorientierte Methoden (z. B. Schreibwerkstatt, creative writing). 

Ebenso können Erzählstrategien der Spannungserzeugung erarbeitet und das Genre der Thrillerliteratur näher beleuchtet werden. Hierbei können in differenzierten Lernarrangements intertextuelle Bezüge zu den literarischen und filmischen Vorlagen von James Bond und Sherlock Homes thematisiert und vergleichend dargestellt werden.