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Buchcover Mats Wahl: Kill

Rezension von Ann-Katrin Kremer

Mats Wahls Krimi Kill aus der Kommissar-Fors-Reihe konfrontiert den Serienhelden Kommissar Fors erneut mit einem schrecklichen Verbrechen. Im Speisesaal einer Schule findet ein Amoklauf mit mehreren Verletzten und sogar Toten statt, darunter auch Kinder. Das alles passiert ausgerechnet durch Fors Dienstwaffe, die ihm bei einem brutalen Überfall von Jugendlichen gestohlen wurde...

BuchtitelKill
AutorMats Wahl (übersetzt von Angelika Kutsch)
GenreKrimi & Thrill
Lesealter14+
Umfang320 Seiten
Edition8. Auflage
VerlagDeutscher Taschenbuch Verlag GmbH& Co. KG, München
ISBN978-3-423-62277-6
Preis7,95 €

Mats Wahls Krimi Kill aus der Kommissar-Fors-Reihe konfrontiert den Serienhelden Kommissar Fors erneut mit einem schrecklichen Verbrechen. Im Speisesaal einer Schule findet ein Amoklauf mit mehreren Verletzten und sogar Toten statt, darunter auch Kinder. Das alles passiert ausgerechnet durch Fors Dienstwaffe, die ihm bei einem brutalen Überfall von Jugendlichen gestohlen wurde. Für Kommissar Fors wird die ganze Situation zu einem Alptraum. Trotz seiner Verletzungen und der Tatsache, dass die Schüsse aus seiner gestohlenen Dienstwaffe stammen, soll er die Ermittlungen leiten und den Fall gemeinsam mit seinem Team lösen. Dies macht ihm schwer zu schaffen, denn er fühlt sich verantwortlich, weil die Schüsse aus seiner entwendeten Dienstwaffe stammen. Vom Täter fehlt am Tatort jede Spur, er wurde von niemandem gesehen. Alle Zeugen stehen unter Schock. Die Ermittlungen gehen mühsam voran und führen zunächst in die falsche Richtung, bis entscheidende Hinweise eingehen, wer die Waffe gestohlen hat. Daraufhin nehmen die Ermittlungen ihren Lauf und es wird ein Täter gefasst, der selbst einmal Opfer war.

„Carin saß am Steuer, als sie die Hügelkuppe erreichten. Sie schauten auf den Schulhof hinunter, auf dem vier Polizeiautos und der Bus des Überfallkommandos parkten. Alle Autotüren standen offen. Es gab auch einen Krankenwagen und hinter der Sporthalle stand der Hubschrauber mit stillstehenden Rotorblättern und abgeschaltetem Motor. Zwischen den Polizeiautos stand Kommissar Nylander. Er wurde gerade von einem Rundfunkjournalisten interviewt. Nylander zeigte zur Schule hinauf und dann auf den Asphalt. Carin parkte ein Stück von ihnen entfernt und Fors ging zu Nylander, der das Interview eben beendete. ‚Jetzt übernehme ich‘, sagte Fors. ‚Hammarlund ist auf dem Weg zu uns. Wie ist die Lage?‘ Nylander nahm Fors am Hemdsärmel und zog ihn zur Seite. ‚Wir haben die Schule durchsucht, aber nichts gefunden. Keine Patronenhülsen, keine anderen Spuren, nichts. Stenberg ist drinnen und misst die Schusswinkel aus.‘ Nylander senkte die Stimme und runzelte die Stirn. ‚Der angeschossene Junge hat etwas zu Berggren gesagt.‘ ‚Was?‘, fragte Fors. Ohne dass er es merkte, senkte er auch die Stimme. ‚Der Neger.‘ ‚Der Neger?‘ ‚Der Neger.‘ “ (S. 49f.)

In Kill, dem dritten Fall des schwedischen Kommissars Fors, werden Krimielemente mit dem hoch aktuellen Thema Amoklauf verbunden. Diese Verbindung fesselt und schockiert den Leser zugleich. Der Fall fesselt aufgrund der spannenden Suche nach dem Täter und schockiert aufgrund der genauen und realistischen Beschreibung des Tathergangs und dessen Folgen. Mats Wahl erspart dem Leser weder die blutigen Details der Tat noch die ergreifende Beschreibung der Angst der Kinder. Die detaillierten Ausführungen der Situationen einzelner Betroffener schnürt einem im wahrsten Sinne des Wortes die Kehle zu. Einfühlsam beschreibt Mats Wahl die Tränen und das Leid der Angehörigen beziehungsweise Hinterbliebenen, der verwaisten Eltern sowie der Mutter des Täters und der unter Schock stehenden Betroffenen. Er macht die Tragweite einer solchen Tat mit wenigen Worten klar. Aber nicht nur das: Mats Wahl leistet Aufklärungsarbeit, indem er aufdeckt, wie es zu einer solchen Tat kommen kann und beleuchtet die Beweggründe des Täters. Er verdeutlicht, welche schwerwiegenden Folgen Vorurteile, in diesem Fall rassistische Vorurteile, haben können und dass einfache Erklärungen meist nicht zutreffend sind.

Jung und Alt werden in Kill angesprochen und zum Denken angeregt, über eine schwedische Gesellschaft, in der Gewalttaten zum Alltag gehören. Jugendliche Banden ziehen umher, die die Menschen einschüchtern, Erwachsene lassen aufgrund von Bequemlichkeit und Feigheit zu viel Gewalt in der Schule zu und stellen schlechte Vorbilder für Jugendliche dar, weil sie rassistische Kommentare vor der Presse abgeben und ihre Familien krankenhausreif schlagen.

Beim Lesen spürt man die wiederholt beschriebene Hitze, unter der Schweden in dem Roman leidet. Diese die Figuren quälende Hitze lässt sich auf die angeheizte Situation im Land übertragen, in welchem Jugendliche zur Waffe greifen und Selbstjustiz üben.

Der Krimi ist mit seinen 320 Seiten, komplexen Figurenkonstellationen und Perspektivsprüngen sowie komplizierten Handlungssträngen sehr umfangreich und fragmentiert erzählt. Starke Abweichungen von der zeitlichen Chronologie, zum Beispiel Vorwegnahmen oder Zeitsprünge, erschweren jungen Lesern möglicherweise das Verständnis. Hier wird genaues Lesen gefordert, um die Ereignisse chronologisch einordnen zu können. Das Buch ist außerdem mit seinen vielen kleinen Kapitel recht unübersichtlich eingeteilt. Es besteht dadurch die Gefahr, den roten Faden zu verlieren. Auch das klein gehaltene Schriftbild verlangt Leseerfahrung, um das komplette Buch bis zum Ende durchzustehen. Von diesen Äußerlichkeiten sollte sich jedoch niemand abschrecken lassen, denn Mats Wahls Krimi leistet nicht einfach nur Aufklärungsarbeit über die Tat, sondern zeigt detailliert und genau auf, welche fatalen Folgen Gewalttaten haben. Diese tiefgründige Ursachenforschung macht es zu einem wertvollen Buch für Heranwachsende. Das schlicht gehaltene Cover mit dem großen Schriftzug KILL deutet bereits, dass die Realität eines Amoklaufs in ihrer ganzen Grausamkeit mit wenigen treffenden Worten geschildert wird. In der Form, wie der Roman die Ereignisse wiedergibt, ist er durchaus auch für erwachsene Leser ansprechend.