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Buchcover Ursula Dubosarsky: Der kürzeste Tag des Jahres

Rezension von Lisa Wettlaufer

Samuel lebt mit seinen Eltern Hannah und Elkanah und seiner Halbschwester Theodora in Australien. Er ist das jüngste Kind seines Vaters, der neben Theodora noch vier weitere Töchter mit seiner ersten Frau Pearl hat, die jedoch weit entfernt wohnen. Außerdem ist er das einzige Kind seiner Mutter, die sich vor Samuels Geburt nichts sehnlicher wünschte als ein eigenes Kind...

BuchtitelDer kürzeste Tag des Jahres
AutorUrsula Dubosarsky
GenreComing of Age
Lesealter12+
Umfang155 Seiten
Edition2013
VerlagUeberreuter
ISBN978-3-7641-7006-6
Preis12,95 €

Samuel lebt mit seinen Eltern Hannah und Elkanah und seiner Halbschwester Theodora in Australien. Er ist das jüngste Kind seines Vaters, der neben Theodora noch vier weitere Töchter mit seiner ersten Frau Pearl hat, die jedoch weit entfernt wohnen. Außerdem ist er das einzige Kind seiner Mutter, die sich vor Samuels Geburt nichts sehnlicher wünschte als ein eigenes Kind. Besonders gut versteht sich Samuel mit seinem Großvater Elias, Hannahs Vater, der vor langer Zeit aus Deutschland ausgewandert ist und als Arzt gearbeitet hat. Beide haben am 21. Juni Geburtstag – ausgerechnet an diesem Datum, seinem zwölften Geburtstag, verschwindet Samuel plötzlich spurlos. Hannah und Elkanah sind völlig ratlos, doch Theodora, die einen ausgeprägten Beobachtungssinn hat, hat eine Vermutung, bei wem Samuel sein könnte.

Samuel Cass verschwand an seinem zwölften Geburtstag. Samuel hatte am gleichen Tag Geburtstag wie sein Großvater Elias. Beide waren sie am 21. Juni geboren worden. In Deutschland, wo Elias zur Welt gekommen war, liegt der 21. Juni mitten im Sommer und ist der längste Tag des Jahres. Aber in Australien, wo Samuel zur Welt gekommen war, ist er der kürzeste Tag und liegt im Winter.
Samuels Familie feierte beide Geburtstage immer zusammen, auch wenn Elias behauptete, damit nichts anfangen zu können. Ein heidnischer Brauch, beschwerte er sich Jahr für Jahr, bei Schokotorte und immer mehr Kerzen.
Aber an seinem zwölften Geburtstag verschwand Samuel.
Samuels Halbschwester Theodora saß auf ihrem Bett und betrachtete das schöne, schwarze Foto von Samuel im Bücherregal. „Oh, Samuel, wach doch auf“, flüsterte sie dem Bild zu, „wach auf und komm nach Hause.“
Aber die Stunden vergingen, und nichts geschah. Keine Sichtung, kein Anruf, kein abgerissener Schnürsenkel. Nichts. (S. 9).

Der Ich-Erzähler in seiner Welt
Samuel ist ein eher schüchterner, zurückhaltender Junge, der nicht viele Freunde hat. Am besten versteht er sich mit seinem Großvater Elias und seiner Halbschwester Theodora, mit denen er auch Solidarität empfindet. Gerade mit seinem verständnisvollen und klugen Großvater fühlt er sich nicht zuletzt durch den gemeinsamen Geburtstag sehr eng verbunden.
Samuels Kommunikationsverhalten ist den meisten Erwachsenen gegenüber, wie beispielsweise seinem lauten und überschwänglichen Vater Elkanah, ebenfalls hauptsächlich von Zurückhaltung geprägt. Einen besseren Zugang hat Samuel zu der ruhigeren, aber dennoch offenen Art seiner Mutter Hannah. Auch in der Beziehung zwischen Samuel und Theodora ist es seine Halbschwester, die den Ton angibt, da Samuel sie für klüger als sich selbst hält. Als sich in seiner Familie tiefgreifende Veränderungen anbahnen, verweigert sich Samuel zwar diesem neuen Lebensentwurf, findet aber alleine keinen Ausweg aus seiner Misere, sondern rechnet damit, dass er sich seinem Schicksal fügen muss.

Verstehen durch Erzählen
Samuels mentale Ausgangslage und seine Selbstwahrnehmung sind von seiner schüchternen und zurückhaltenden Art geprägt. Er traut sich selbst wenig zu und bemerkt beispielsweise nicht, dass sein Großvater ihn sehr gerne, ihn sogar lieber als Theodora hat.
Am Ende des Buches versteht Samuel, die für ihn verwirrenden Ereignisse, die um ihn herum passiert sind. Er erfasst seine eigenen Lebensumstände und die seiner Familie viel besser und gewinnt mithilfe Theodoras sogar an Zuversicht und Selbstvertrauen.

Buchcharakter
Das Cover der deutschen Ausgabe zeigt einen Jungen in Jeans und T-Shirt, der dem Betrachter den Rücken zuwendet und, die Arme nach hinten schwingend, an einer grauen Mauer vorbeiläuft. Das Buch ist in drei Teile eingeteilt, wovon der dritte Teil etwas länger als die ersten beiden ist. Jeder Teil besteht aus mehreren Kapiteln, die eine angenehme Leselänge haben. Die sprachliche Komplexität des Buches entspricht dem empfohlenen Lesealter. Ursula Dubosarskys Sprache ist elegant und klar, ohne dabei hochtrabend zu sein, sie verläuft flüssig und harmonisch und bildet eine Einheit mit dem Erzähltempo. Es gelingt Ursula Dubosarsky, die Protagonisten des Buches mit klaren Worten sehr treffend und nachvollziehbar zu beschreiben.

Zusammenfassende Bewertung und Fazit:

Mit Der kürzeste Tag des Jahres gelingt Ursula Dubosarsky eine durchweg spannende Geschichte über einen in Australien lebenden Jungen und dessen Familie(ngeschichte). Die Charaktere werden exakt und überzeugend beschrieben und die Erzählung ist so aufgebaut, dass am Ende die verschiedenen Handlungsstränge zusammengeführt werden. Das Buch liest sich flüssig und angenehm und wird aufgrund der glaubwürdig dargestellten Protagonisten und mehrerer unerwarteter Wendungen nie langweilig. Es ist nicht einfach, das Buch während des Lesens aus der Hand zu legen.

Der Roman ist für individuelle Heim- oder schulische Gruppenlektüre ab Klasse 6 (in Auszügen) geeignet und bietet beispielsweise die thematische Behandlung familiärer Aspekte, wie die Beziehungen zwischen Großeltern, Eltern und Enkelkindern sowie moderne Zusammensetzungen einer Familie.