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Buchcover Christopher Paolini: Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter

Rezension von Christine Garbe

Der fünfzehnjährige Eragon findet bei der Jagd einen geheimnisvollen blauen Stein, aus dem kurz darauf ein Drachenjunges schlüpft. Dies Ereignis reißt den Protagonisten der Fantasy-Saga aus seiner einfachen ländlichen Lebensweise auf dem Hof seines Onkels heraus. Eragon erkennt nach und nach mit Hilfe des Geschichtenerzählers Brom, dass „sein“ Drache Saphira ihn zu einem der legendären Drachenreiter gemacht hat.

BuchtitelEragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter
AutorChristopher Paolini (übersetzt von Joannis Stefanidis)
GenreAbenteuer
Fantasy
Lesealter12+
Umfang597 Seiten und Anhang
EditionPaperback 2005 (1. Auflage), Hardcover 2004 Random House München
VerlagBlanvalet (Random House GmbH)
ISBN3-442-36291-1
Preis12,- € (Paperback)

Der fünfzehnjährige Eragon findet bei der Jagd einen geheimnisvollen blauen Stein, aus dem kurz darauf ein Drachenjunges schlüpft. Dies Ereignis reißt den Protagonisten der Fantasy-Saga aus seiner einfachen ländlichen Lebensweise auf dem Hof seines Onkels heraus. Eragon erkennt nach und nach mit Hilfe des Geschichtenerzählers Brom, dass „sein“ Drache Saphira ihn zu einem der legendären Drachenreiter gemacht hat, die der grausame Herrscher Galbatorix seit seinem Machtantritt systematisch auszurotten strebt. Mehr noch: Galbatorix unterdrückt auch die ´alte Sprache´, Kultur und Überlieferung der Drachenreiter; einzig der Geschichtenerzähler Brom bewahrt die Erinnerung an die ´guten Zeiten´ im Reich Alagaësia, in dem die Eragon-Saga spielt.

Als Drachenreiter muss nun auch Eragon um sein Leben bangen. Daher zieht er seinen (weiblichen) Drachen Saphira heimlich groß. Nach einiger Zeit tauchen in seinem Heimatort Carvahall zwei unheimliche Helfer des Königs auf, die das Drachenei suchen. Eragon kann fliehen, sein Onkel wird jedoch getötet und dessen Hof niedergebrannt. Daraufhin schwört Eragon Rache – er will die Mörder seines Pflegevaters aufspüren und vernichten. Gemeinsam mit seinem Drachen Saphira und seinem Mentor Brom macht sich Eragon auf die Reise in unbekannte Welten, in denen er viele Abenteuer zu bestehen hat, von zahlreichen Feinden herausgefordert wird, aber auch neue Freunde und Helfer findet.

Später jedoch, als die Kerzen in ihren Sockeln flackerten und sich alle zu einem engen Kreis zusammenscharten, trat der alte Geschichtenerzähler Brom vor. Ein geflochtener weißer Bart kräuselte sich auf seiner Brust und ein langer schwarzer Umhang lag um seine gebeugten Schultern und verhüllte seinen Körper. Mit Händen, die sich wie Klauen öffneten, breitete er die Arme aus und trug Folgendes vor: […] „Bevor die Väter eurer Großväter geboren wurden, fürwahr, selbst noch vor deren Vätern, wurden die Drachenreiter erschaffen. Zu beschützen und zu bewachen war ihre Aufgabe, und sie taten dies viele tausend Jahre lang mit großem Erfolg. Ihre Fertigkeiten im Kampf waren unübertroffen, denn jeder von ihnen war so stark wie zehn Menschen. Sie waren praktisch unsterblich; nur eine Klinge oder ein Gift konnte sie töten. Ihre Kräfte setzten sie nur für Gutes ein und unter ihrer Aufsicht wurden große Städte und gewaltige Türme gebaut. Während sie den Frieden sicherten, blühte das Land auf. Es war eine goldene Zeit. Die Elfen waren unsere Verbündeten, die Zwerge unsere Freunde. Wohlstand überflutete unsere Städte und den Menschen ging es gut. Aber, oh weh … dieses Glück währte nicht ewig.“
Brom senkte den Blick. Tiefer Kummer lag in seiner Stimme.
„Zwar konnten ihre Feinde sie nicht vernichten, aber vor sich selbst konnten die Drachenreiter sich nicht schützen. Und so begab es sich, dass auf dem Höhepunkt ihrer Macht in der Provinz Inzilbeth, die es heute nicht mehr gibt, ein Knabe namens Galbatorix geboren wurde. Dem Brauch entsprechend, wurde er im Alter von zehn Jahren auf die Probe gestellt, und man fand heraus, dass große Kräfte in ihm schlummerten. Die Reiter nahmen ihn bei sich auf. Er bestand die Prüfungen und unterzog sich der Ausbildung zum Reiter. Seine Geschicklichkeit übertraf dabei die aller anderen. Gesegnet mit einem scharfen Verstand und einem starken Körper, fand er schnell seinen Platz in den Reihen der Drachenreiter. Einige hielten seinen schnellen Aufstieg für gefährlich und warnten die anderen, aber ihre Macht hatte die Reiter unvorsichtig werden lassen und sie schenkten den Warnungen keine Beachtung. Und so war also der Tag seiner Aufnahme bei ihnen der Anfang des großen Leids, das über Alagaesia kommen sollte.“
(Eragon, Bd. 1, S. 49-51)

„Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter“ ist ein mitreißend geschriebener Fantasy-Roman, der sicher nicht zufällig Millionen von jugendlichen Lesern über alle vier Bände in seinen Bann gezogen hat!

Die "Eragon-Saga" spielt in einem fiktiven Reich Alagaesia, das von einem grausamen König beherrscht und von allerhand phantastischen Wesen bevölkert wird (Urgals, Ra´zac, Varden, Elfen usw.) Die Geschichte ist von Anfang an spannend erzählt und zieht den Leser in ihren Bann. Ein rätselhafter Prolog und eine Landkarte des phantastischen Reiches laden dazu ein, in eine andere Welt einzutauchen.

Auf dem Cover ist ein geheimnisvoller Drachenkopf auf blauem Grund zu sehen, dazu ist „ERAGON“ in Goldbuchstaben gedruckt. Die Schriftgröße ist eher klein, das Buch ist insgesamt mit rund 600 Seiten sehr umfangreich und setzt einen geübten Leser voraus. Im Anhang des Buches finden sich Aussprachehilfen zu den Eigennamen sowie ein Glossar zu den drei Sprachen, die in der Geschichte eingeführt wurden: die „alte Sprache“, die Sprache der Zwerge und die Sprache der Urgals.

Die „Eragon-Saga“ dreht sich um einen Kampf zwischen Gut und Böse: Die Drachenreiter, deren Vermächtnis Eragon antritt, sind die ´guten´ Friedensbringer, während der ´pervertierte´ ehemalige Drachenreiter und jetzige Herrscher Galbatorix mit seinen Verbündeten und seinem Heer die ´bösen´ Mächte verkörpern. Ihr Bestreben ist es, die Macht über das Reich mit allen Mitteln zu verteidigen. Im ersten Band von „Eragon“ ist Durza der „Schatten“, der zentrale Widersacher des Helden.

Es lassen sich eine Reihe von „Gestaltwandlern“ erkennen, zwielichtigen Figuren also, deren dramaturgische Funktion darin besteht, die Spannung zu steigern. Im ersten Band von „Eragon“ ist dies zum Beispiel Murtagh. Er erweist sich zwar immer wieder als Helfer und Retter von Eragon, verschweigt jedoch seine Herkunft. Als schließlich deutlich wird, dass er der Sohn eines der engsten Verbündeten von Galbatorix ist, werden Eragons Zweifel zunächst verstärkt. Dennoch entschließt er sich, Murtagh weiterhin zu vertrauen, es bleibt jedoch eine Unsicherheit über die wahren Beweggründe von Murtaghs Handeln bestehen.

Alle wichtigen Stationen der „Reise des Helden“ (nach Christopher Vogler) lassen sich in „Eragon“ identifizieren: Der Leser wird zunächst in Eragons gewohnte Welt auf dem Hof seines Onkels eingeführt. Der „Ruf des Abenteuers“ beginnt mit dem Fund des Dracheneis und dem Schlüpfen von Saphira sowie in der Folge der Ermordung des Onkels und der Zerstörung von Eragons Heimat. Eragon zögert zunächst, dem „Ruf“ zu folgen, wird jedoch von Saphira zum Aufbruch gedrängt. Er erhält Unterstützung durch seinen ´Mentor´ Brom, der ihn begleitet, überschreitet mit ihm und Saphira die erste Schwelle, besteht zahlreiche Proben durch immer neue Angriffe seiner Feinde und besteht am Ende auch die entscheidende Prüfung gegen den großen Herausforderer Durza. Die ´Belohnung´ besteht am Ende des ersten Bandes darin, dass Eragon als neuer „Held“ seines Volkes gefeiert wird. Eine Rückkehr in die Heimat ´mit dem Elixier´ ist allerdings noch nicht in Sicht, da der Hauptgegner noch nicht besiegt ist.

Die Kapitel sind mit 5 bis 20 Seiten Umfang überschaubar und mit spannenden Überschriften versehen. Die Geschichte ist chronologisch und aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers geschrieben. Sie enthält dem Leser aber viele Informationen vor, um Spannung zu erzeugen. Der Text ist syntaktisch nicht allzu komplex, operiert jedoch mit einem Wortschatz, der jüngeren und ungeübten Lesern nicht immer vertraut sein dürfte.

„Eragon“ ist ein sehr beliebter Lesestoff bei lesegeübten Jungen, am ehesten sicher bei Gymnasiasten. Für Zwölfjährige dürfte die Eragon-Reihe nur in Einzelfällen geeignet sein, eher schon für Fünfzehn- bis Achtzehnjährige (ab Klasse 9). Wenn man mit Viellese-Verfahren oder Verfahren der Lese-Animation arbeitet, bei denen es auf ein breites und gender-gerechtes Angebot an Lesestoffen ankommt, sollte „Eragon“ in der Bücherkiste nicht fehlen!

Denkbar ist auch ein Unterrichtsprojekt zu „Eragon“, bei dem von Arbeitsgruppen verschiedene Aspekte des Romans sowie der Verfilmung und entsprechender Internetseiten erarbeitet werden. Die Projektergebnisse können gern auf dieser Homepage veröffentlicht werden!

Ein Konzept zum Unterricht mit „Eragon“ findet sich in der Praxis Deutsch (Ausgabe Nr. 247, September 2014).